Freitag, 1. Dezember 2017

[Rezension] "Der Blackthorn Code - Die schwarze Gefahr" von Kevin Sands

Erschienen bei dtv am 9.6.2017 | Übersetzt von Alexandra Ernst
Hardcover | 448 Seiten | ISBN: 978-3-423-76166-6 | 16,95 € | Kaufen

"Der Blackthorn Code" | 1. Das Vermächtnis des Alchemisten | 2. Die schwarze Gefahr | 3. Das Geheimnis des letzten Tempelritters (Mai 2018)

»Christopher,
ich habe einen Schatz für dich versteckt. Unter unserem Dach.
Lies dies sorgfältig. Erkenne das Geheimnis. Es liegt in meiner Liebe zu dir verborgen.«
Das ist die letzte Botschaft, die Benedict Blackthorn hinterlassen hat. Doch Christopher weiß nicht, wie er dieses Geheimnis seines Meisters lösen soll. Obwohl ihm ein Schatz jetzt sehr gelegen käme. Er hat kaum noch Geld, keinen neuen Meister in Aussicht und darf den Laden nicht allein betreiben. Und es droht eine neue Gefahr. Die Pest hat ihren Weg nach London gefunden und mit ihr skrupellose Quacksalber, die mit der Furcht der Menschen Geschäfte machen. Die panische Stimmung wird noch weiter angeheizt durch einen geheimnisvollen Propheten, der genau vorhersagen kann, wo der schwarze Tod als nächstes zuschlägt. Auf der Jagd nach der Wahrheit geraten Christopher und sein bester Freund Tom mitten in das Herz einer dunklen Verschwörung. Als wäre das nicht schon schlimm genug, erhält Christopher eine Prophezeiung: Jemand, den du liebst, wird sterben …
(Quelle: dtv)
Wie bereits im ersten Teil, mag ich das historische Setting der Reihe sehr gerne. Man hat direkt ein authentisches Bild vor Augen und kann sich gut vorstellen, wie Christopher und seine Freunde durch die Straßen streifen.

Die Handlung ist dieses Mal geprägt von der drohenden Gefahr der Pest. Dementsprechend ist das Setting düsterer, doch Kevin Sands bringt die Ernsthaftigkeit der Situation gut rüber, ohne unnötig abschreckend zu sein, sodass es auch für jüngere Leser passend ist.
Das Abenteuer ist wieder sehr spannend und detektivhaft. Es gibt Rätsel und mysteriöse Zwischenfälle, die von Christopher gelöst werden wollen. Zwar gibt es in „Die schwarze Gefahr“ nicht mehr ganz so viele alchemistische Rätsel, bei denen man mitraten kann, aber die Handlung selbst lädt dafür mehr zum Rätseln ein.

Das zweite Buch ist in sich abgeschlossen und kann auch unabhängig von dem ersten Teil gelesen werden. Natürlich werden verschiedene Sachen aus dem ersten Buch aufgegriffen, doch diese werden weitestgehend ausreichend erklärt. 
Eine sehr gelungene Fortsetzung, die mir sogar fast besser gefallen hat, als „Das Vermächtnis des Alchemisten“. Der größte Unterschied ist, dass im ersten Teil die Alchemie eine primäre Rolle einnimmt, im zweiten hingegen der reale Hintergrund der Pest. Ich kann das Buch sehr empfehlen, da es abenteuerlich ist und gleichzeitig auch Wissen vermittelt. Die Freundschaft zwischen Christopher und seinen Freunden ist auch besonders schön dargestellt und betont diese gut. 
Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar. 
Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst. 

Dienstag, 7. November 2017

[Rezension] "Legenden und Lügner" von Julia Knight

Erschienen bei Knaur am 28.6.2017 | Übersetzt von Juliane Pahnke
eBook/TB | 400 Seiten | ISBN:  978-3-426-44070-4 | 9,99 € 

"Die Gilde der Duellanten" | 1. Schwerter und Schwindler | 2. Legenden und Lügner  | 3. Fechter und Feiglinge


Die Geschwister Vocho und Kacha stehen in dem Ruf, die besten Schwertkämpfer von Reyes zu sein. Doch seit sie die Pläne des dunklen Magiers Sabates vereitelt haben, scheint es so, als sei ihnen die ganze Welt auf den Fersen - und es ist mehr als ungewiss, ob die Schnelligkeit ihrer Klingen diesmal ausreichen wird, um sie zu retten ...
(Quelle: Knaur)
Vom ersten Buch „Schwerter und Schwindler“ wurde ich überraschenderweise sehr gepackt und mir gefiel die am Steampunk inspirierte Welt und die interessante Stadt, die mit Hilfe eines Uhrwerks betrieben wird. Auch die Schwertkämpfe waren actionreich und bildhaft, sodass mir als Leserin nicht langweilig wurde.

„Legenden und Lügner“ konnte mich hingegen leider absolut nicht überzeugen. Am Ende des ersten Teils mussten die Protagonisten Kacha und Vocho aus der uhrwerkbetriebenen Stadt fliehen und somit wurde ein überzeugender und für mich interessanter Aspekt aus dem Buch genommen. Dies wäre noch zu verkraften gewesen, wäre die Handlung weiterhin spannend gewesen und hätte eine Entwicklung dieser und der Protagonisten stattgefunden. Zwar sind auch die neuen Schauplätze interessant und haben ihre Besonderheiten, doch diese können nicht ansatzweise mit denen aus dem ersten Teil mithalten. Hinzu nahm die Übersichtlichkeit des Buches für mich immer mehr ab; Oftmals gab es Orts- und Zeitwechsel, die nur in einem Nebensatz eingeführt wurden und meines Erachtens hätten deutlicher sein können. So kam es, dass ich einen großen Teil meiner Lesezeit versuchte, zu verstehen, wo und wann die geschilderte Handlung stattfindet. Auch die Protagonisten blieben eher farblos. Zwar gab es tatsächlich Entwicklungen in ihren Charakterzügen, doch diese waren vorhersehbar und sehr flach.

Ein Beispiel (frei nacherzählt):
Vocho denkt: „Früher konnte ich Kacha immer vertrauen, doch jetzt bin ich mir nicht mehr sicher. Ich habe das Gefühl, sie hat sich verändert und verheimlicht mir etwas.“ 
Kacha denkt: „Vocho hat sich seit dem Vorfall verändert. Früher konnte ich mich immer darauf verlassen, dass er meinen Rücken stärkt, doch nun bin ich mir nicht mehr so sicher.“
Leider ging mir dieses weinerliche Hin- und Her ziemlich schnell auf die Nerven. Das Problem aus meiner Sicht war, dass man die Gedanken beider im Buch lesen konnte und sich kein Misstrauen von Seiten des Lesers entwickeln konnte, weil dieser immer wusste, dass diese Vorwürfe schwachsinnig sind. Der Lesespaß litt entsprechend zunehmend darunter.

„Die Gilde der Duellanten“ hätte eine außergewöhnliche Reihe werden können, die Magie, Steampunk und klassische Fechtkämpfe verbindet. Zwar überzeugte mich der erste Teil, doch der Zweite enttäuschte mich dafür umso mehr. Die Geschichte hat Potential, das sich aber in farblosen Charakteren, platten Handlungsverläufen und undurchsichtigen Orts- und Zeitwechseln verliert.

Ich breche Reihen ungerne ab, doch diese Trilogie ist für mich hier beendet. Vielleicht verbessert sich ja einiges im dritten Teil, doch nachdem ich bereits nach 100 Seiten von „Legenden und Lügner“ der Geschichte überdrüssig war, lasse ich meine Finger von „Fechter und Feiglinge“.

Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar. 
Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst. 

Sonntag, 5. November 2017

[Rezension] "Die Unvergesslichen" von Val Emmich

Erschienen bei Knaur am 2.5.2017 | Übersetzt von Eva Bonné
Hardcover | 384 Seiten | ISBN: 978-3-426-28165-9 | 19,99 €


Die 10-jährige Joan fürchtet nichts so sehr, wie eines Tages in Vergessenheit zu geraten. Denn anders als sie selbst scheinen die Leute um sie herum ständig alles Mögliche zu vergessen: Joan ist einer von nur 30 Menschen auf der Welt mit einem fast perfekten Gedächtnis, die ihr gesamtes bisheriges Leben, wie ein Videoband im Kopf hat und jeden Moment und jedes Gespräch erinnern kann.

Als der Songwriter Gavin, ein Freund ihrer Eltern, Joan darum bittet, ihre Erinnerungen an seinen plötzlich verstorbenen Partner Sydney mit ihm zu teilen, wittert Joan ihre große Chance: Sie wird für Gavin das Videoband in ihrem Kopf zu jedem einzelnen Moment mit Sydney zurückspulen. Dafür wird er ihr helfen, einen unvergesslichen Song zu schreiben.
(Quelle: Droemer)
Joan, das kleine Mädchen mit dem erstaunlichen Gedächtnis, hat sich durch und durch der Musik verschrieben. Ihr Vater, der ein Tonstudio besitzt, hat diese Leidenschaft in ihr gefördert und diese tiefgreifende Verbindung spürt man während des Lesens. Die Leidenschaft zur Musik nimmt den zentralen Teil des Buches ein. Es ist nicht technisch oder komplex – es geht eher um die Gefühle und Emotionen, die hinter dem Songwriting stehen. Val Emmich, der selbst in der Musikbranche tätig ist, hat in diesen Passagen bestimmt auch seine eigenen Gefühle mit eingebracht, was dem Buch wohl unter Anderem seine Authentizität verleiht.

Insgesamt hat mir die Geschichte aus Joans Sicht ausgesprochen gut gefallen. Val Emmich schafft es, ihre kindliche Naivität und Unschuld perfekt mit dem reiferen Auftreten und ihren besonderen Fähigkeiten zu verbinden. Von der ersten Seite an war sie mir sympathisch und im Verlaufe des Buches habe ich mich auch von ihrem Optimismus und ihrer Hoffnung anstecken lassen.

An Gavin, den älteren Protagonisten, musste ich mich zunächst etwas gewöhnen, da er am Anfang einen so krassen Gegensatz zur so optimistischen und jungen Joan darstellt. Er steht mitten im Leben, als sich die schlimme Tragödie ereignet. Als er das erste Mal auf Joan, die Tochter seines Studienfreundes, trifft, wird etwas in Gang gesetzt, was ihm hilft, mit der Trauer zurecht zu kommen und sich selbst ein wenig mehr zu verstehen.

Es könnte natürlich die Frage aufkommen, ob es nicht etwas merkwürdig ist, wenn ein erwachsener Mann sich mit einem Kind anfreundet. Jedoch spielt dies in „Die Unvergesslichen“ absolut keine Rolle. Die freundschaftliche Beziehung zwischen Joan und Gavin ist in keiner Weise verwerflich. Es ist eine Freundschaft, die sich über Leidenschaft für die Musik, die Erinnerungen und eben auch Menschlichkeit definiert.

Cover

Der Schutzumschlag ist farbenfroh gestaltet und hat eine Aussparung in der Mitte. Nimmt man den Schutzumschlag ab, so sieht man eine Schallplatte auf deren Mitte der Titel geschrieben steht. Das Ganze wirkt als gelungener Eyecatcher und gefällt mir sehr gut.

Alles in allem ist „Die Unvergesslichen“ ein schönes und sehr lebensbejahendes Buch. Joan ist eine unglaublich lustige und besondere Protagonistin und ihre Freundschaft zu dem so viel älteren Gavin ist sehr feinfühlig beschrieben. Über die Leidenschaft zur Musik vereint finden beide ihren Weg und es macht als Leser viel Spaß, diesen Weg zu verfolgen. Ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen und lege es jedem nahe, der nach einer berührenden Geschichte mit Humor und Optimismus sucht. 
Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar. 
Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst. 

Donnerstag, 26. Oktober 2017

[Rezension] "Exodus Towers" von Jason M. Hough

Erschienen bei Knaur am 1.9.2017 | Übersetzt von Simone Heller
Taschenbuch | 672 Seiten | ISBN: 978-3-426-51954-7 | 12,99 €

"Die Letzten der Erde" | 1. Darwin City | 2. Exodus Towers | 3. The Plague Forge (bisher nur auf Englisch)


ACHTUNG! Diese Rezension enthält Spoiler zu „Darwin City“, dem ersten Teil der Reihe.

Die letzten Überlebenden der Erde schöpfen neue Hoffnung: In Brasilien wurde ein zweiter Weltraumaufzug entdeckt, dessen geheimnisvolle Alien-Technologie Schutz vor der verheerenden Seuche bietet, die die Welt entvölkert hat. Eine weitere Kolonie wird gegründet, doch die fruchtbare Gegend lockt auch eine marodierende Söldnertruppe an und weckt das Interesse der Sekte, die in Darwin City die Macht übernommen hat. Bald ist Skyler Luiken in mehr Kämpfe verwickelt, als er gewinnen kann – während gleichzeitig die Rückkehr jener Aliens naht, die die Menschheit entweder retten oder endgültig vernichten könnten.
(Quelle: Knaur)
Die Handlung von „Exodus Tower“ setzt einige Zeit nach den Ereignissen von „Darwin City“ ein. Die Kolonie in Belém findet sich langsam zurecht und Routine kehrt in den Alltag ein. Nachdem Skyler Darwin und auch Sam zurücklies, tut er sich schwer, da er der Meinung ist, die Kolonie halte sich an unnötigen Bürokratien auf.

Im Laufe des Buches teilen sich die Erzählperspektiven auf: Zum einen begleitet man Skyler auf seinen Streifzügen, zum anderen Tania, die den neuen Weltraumlift, leitet und verwaltet. Zu guter Letzt bleibt Sam für den Leser die Verbindung nach Darwin, das nun, da Neil Platz nicht mehr da ist, einige Machtspielchen ertragen muss.
Diese Aufteilung hat mir gut gefallen, da Skyler, Tania und Sam drei unterschiedliche Geschichten erzählen, die aber alle einen guten Einblick in die Welt, die Hierarchien und Prozesse im Inneren liefern. Ich hatte somit das Gefühl, dass mehr passiert, an dem man als Leser teilhat. Die Entwicklungen einer jeden Handlung sind dramatisch und packend.

Doch wie kann Jason M. Hough die Spannung über die Bücher hinweg konstant halten? Ein Trick, der zugegeben nicht neu ist: Das große Geheimnis um die Erbauer, die Alien-Rasse. Sie verfolgen einen Plan und niemand weiß, was als nächstes ansteht und was noch alles auf die letzten Überlebenden zukommt. Zwar mag es ein simpler Trick sein, doch er funktioniert und ich bin so gefesselt von der Geschichte, dass ich am liebsten direkt weiterlesen möchte!
Jason Hough kann erzählen! Seine Bücher bedienen sich an Film- und Videospielelementen und genau das macht die Bücher so greifbar und visuell. Ich brauche nur wenige Zeilen zu lesen, bevor mein Kopfkino einsetzt und ich die zerstörte Erde, die Weltraumlifte und die Alien-Schiffe vor mir sehe. „Exodus Towers“ macht Spaß!

Es gibt meinerseits nur eine klitzekleine Kritik an den Büchern: An manchen Stellen wirkt der Text etwas undurchdacht. Dies ist nur sehr, sehr selten anzutreffen und ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob es sich hierbei um „Fehler“ im Original handelt oder ob es an der Übersetzung liegt. Wenn aber in einer Welt, die das Jahr 2283 schreibt, von „pfenniggroßen“ Objekten die Rede ist, dann wundere ich, die das Buch im Jahr 2017 (fast 17 Jahre nach der Einführung des Euro) liest, mich doch etwas über die Wortwahl. 
„Exodus Tower“ ist eine sehr gelungene Fortsetzung zu „Darwin City“. Ich würde sogar sagen, dass er noch besser als sein Vorgänger ist. Die verschiedenen Perspektiven, die neuen Geheimnisse, die neuen Handlungen sind so vielversprechend und spannend, das es richtig Spaß macht, das Buch zu lesen!

Habt ihr also „Darwin City“ gelesen, dann könnt ihr ohne Scheu zu „Exodus Tower“ greifen. Das Buch ist definitiv sein Geld wert. Ich bin nun sehr gespannt auf den dritten Teil und hoffe, die deutsche Übersetzung lässt nicht lang auf sich warten! 

Samstag, 14. Oktober 2017

[Rezension] "Die Zeitmaschine" von H. G. Wells

Erschienen beim dtv am 13.1.2017 | Übersetzt von Lutz-W. Wolff
eBook/TB | 176 Seiten | ISBN: 978-3-423-43061-6 | 7,99/9,99 € | Kaufen


"Es widerspricht der Vernunft!" sagte Filby.
"Welcher Vernunft?" fragte der Zeitreisende.

Wer hat diesen Traum nicht schon geträumt: einmal durch die Zeit zu reisen? Für unseren Helden geht er in Erfüllung mithilfe einer eigens entwickelten Maschine. Angekommen im Jahr 802 701 entdeckt er zwischen den Ruinen Londons die Eloi, eine paradiesische Gemeinschaft. So also sieht das Schicksal der Menschheit aus! Als er, um von seinen Erkenntnissen zu berichten, in die Gegenwart zurückkehren will, ist die Zeitmaschine verschwunden. Und die Anzeichen häufen sich, dass die Eloi nicht die einzigen Bewohner dieser wundersamen Welt sind.
(Quelle: dtv)
Langsam, aber sicher versuche ich mich durch die Klassiker der Science Fiction zu lesen und da darf natürlich auch „Die Zeitmaschine“ nicht fehlen – das Buch, das Zeitreise-Geschichten geprägt hat.

Die Geschichte hat direkt von Anfang an etwas sehr Packendes, da der Erzähler des Buches selbst nur dem Zeitreisendem bei seinem Bericht zuhört. So entsteht eine weitere Spannung, da man die Ungeduld und die Überraschung des Erzählers selbst ebenso wahrnimmt. Zu Beginn wird die Handlung und die Reise minutiös beschrieben und der Autor nimmt sich Zeit, alles detailliert zu beschreiben. Seine Zukunftsvision sind dabei nicht nur originell und abenteuerlich, sondern er hinterlegt die Gesellschaft der Eloi auch mit menschlichen Zügen und erklärt, was genau in den vielen, vielen Jahren passiert ist.

Zum Ende hin nimmt die Geschichte immer mehr an Fahrt auf, wortwörtlich, und leider für mich ein wenig zu schnell. Es wirkt alles ein wenig fahrig, ein wenig zusammengeschustert, auch wenn Wells‘ Beschreibungen auch weiterhin spannend zu verfolgen sind. Das Ende kam mir zwar viel zu abrupt, doch es hat auch einen gewissen Charme.

Extras

Was mir außerordentlich gut gefallen hat, sind die vielen Extras, die im Anhang enthalten sind. Dort ist nicht nur ein biographischer Text von Wells selbst, in dem er über seinen Werdegang berichtet, sondern auch eine tabellarische Übersicht über seine wichtigsten Meilensteine. Außerdem ist auch eine Art Glossar vorhanden, welches bestimmte Wörter und geschichtliche Hintergründe seitenweise erklärt.

H.G. Wells bekannter Roman gehört meines Erachtens auf jeden Fall gerechtfertigt zu den Klassikern der Science Fiction und sollte auf jeden Fall gelesen werden. Trotz der Fahrigkeit am Ende, bietet das Buch Originalität, eine spannende Zeitreise und ist in vielerlei Hinsicht lesenswert.

Montag, 11. September 2017

[Rezension] "Der Schwarze Thron - Die Schwestern" von Kendra Blake

Erschienen bei penhaligon am 9.5.2017 | Übersetzt von Charlotte Lungstrass-Kapfer
Klappenbroschur | 448 Seiten | ISBN: 978-3-7645-3144-7 | 14,99 € | Kaufen

"Der schwarze Thron" | 1. Die Schwestern | 2. Die Königin (25.9.2017) 

Sie sind Schwestern. Sie sind Drillinge, die Töchter der Königin. Jede von ihnen hat das Recht auf den Thron des Inselreichs Fennbirn, aber nur eine wird ihn besteigen können. Mirabella, Katharine und Arsinoe wurden mit verschiedenen magischen Talenten geboren — doch nur, wer diese auch beherrscht, kann die anderen Schwestern besiegen und die Herrschaft antreten. Vorher aber müssen sie ein grausames Ritual bestehen. Es ist ein Kampf um Leben und Tod — er beginnt in der Nacht ihres sechzehnten Geburtstages …
(Quelle: penhaligon)
Natürlich ist das Thema des Wettkampfes um den Thron kein neues Konzept und momentan sind Bücher, die sich dessen bedienen keine Seltenheit. Doch der erste Teil der Reihe „Der schwarze Thron“ konnte mich überzeugen. Es ist nicht nur die düstere und außergewöhnliche Welt, deren Weiten zu entdecken sehr viel Spaß gemacht hat, sondern auch die drei Schwestern sind interessante Protagonistinnen, von denen jede einen ganz eigenen Charakter hat. Da das erste Kapitel mit der „Giftmischer“-Schwester beginnt, dachte ich auch zunächst, dass dies wohl die Favoritin des Lesers werden soll, doch Kendra Blake lässt die Perspektive jedes Kapitel wechseln, sodass man von allen drei Schwestern die hellen und dunklen Seiten kennenlernt. Zum Ende hin hatte mich die Autorin so weit, dass ich Sympathien zu jeder Protagonistin entwickelt habe und tatsächlich keine bestimmte Schwester als Favoritin herausstach.

Umso gespannter bin ich auf die Fortsetzung, die ganz bald erscheint.

Wer sich also an den Wettkampf-um-die-Krone-Plot noch nicht sattgelesen hat, sollte diesem Buch auf jeden Fall eine Chance geben. Zudem ist es düster, sarkastisch und die Schwestern alles andere als verwöhnte Königinnen – immerhin wurden sie seit der Kindheit zum Töten erzogen. 
Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar. 
Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst. 

Mittwoch, 6. September 2017

[Rezension] "Der Brief" von Carolin Hagebölling

Erschienen beim dtv am 1.9.2017 | Broschur/eBook | 224 Seiten 
ISBN: 978-3-423-26146-3 | 14,90/12,99 € | Kaufen

Als Marie eines Tages einen Brief von ihrer alten Schulfreundin Christine bekommt ist sie höchst verwirrt. Diese schreibt nämlich über Maries Leben in Paris und ihrem Mann Victor, einem erfolgreichen Galeristen. Doch Marie ist Journalistin, arbeitet in Hamburg und führt eine Beziehung mit Johanna. Was Marie zunächst als seltsamen Scherz abtut wird ganz bald äußerst seltsam und sehr persönlich. Sie beschließt herauszufinden, was es mit diesem Brief auf sich hat und wer hinter der Sache steckt...

Zu Beginn dachte ich, dass „Der Brief“ auf eine eher seichte, liebevolle Literatur hinausläuft. Letztendlich wurde mir ein spannender Roman geboten, der Thriller-Elemente aufweist und gekonnt auf philosophischer Ebene zum Nachdenken anregt.

Da der Roman sehr kurz ist, konnte ich ihn schon nach einem Tag beenden. Die Handlung konnte mich direkt packen und die mysteriösen Briefe ließen mir manchmal sogar einen kleinen Schauer über den Rücken laufen. Leider waren einige Passagen aber auch wirr, da die Gedankengänge und Handlungen Maries nicht ganz nachvollziehbar waren. Doch im Großen und Ganzen überwiegt am Ende die originelle Handlung.

Zwischenzeitlich hatte ich die Befürchtung, das Buch würde zu esoterisch oder zu abstrus werden, doch Carolin Hagebölling hat ein Ende geschrieben, das mich zufrieden stellen konnte und darüber hinaus sogar eine interessante philosophische Note hatte.

Trotz der ab und zu etwas wirren Stellen ist „Der Brief“ eine kurzweilige, aber einnehmende und vor allem lesenswerte Geschichte. Carolin Hagebölling beweist mit ihrem Debüt, dass sie nicht nur spannende Ideen hat, sondern diese auch gut umsetzen kann und macht Lust auf mehr.


Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar. 
Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst.