Freitag, 18. Dezember 2015

★Rezension★ "Die Letzten und die Ersten Menschen" von Olaf Stapledon



Titel: Die Letzten und die Ersten Menschen
Autor: Olaf Stapledon
Verlag: Piper
Erschienen am: 5.10.2015 (Neuauflage) | 1930 (Original)
Übersetzer: Kurt Spangenberg
Format: Gebunden mit Schutzumschlag
Seiten: 464
ISBN: 978-3-492-70362-8
Preis: € 25,00 [D] | € 25,70 [A]
Kaufen: bei Piper | Amazon | Thalia | Heymann



Das visionäre Zukunftsepos der Science-Fiction-Legende Olaf Stapledon: Was wird uns in 100 Jahren erwarten, welche Zivilisationen werden in 1.000 Jahren regieren, welche Kriege in 500.000 Jahren geschlagen? Welchen kosmischen Lebensformen werden wir in Milliarden Jahren begegnen, und wie wird die Menschheit in undenkbarer, entferntester Zukunft ihr Ende finden? In diesem 1930 erstmals erschienenen Klassiker erzählt Autor und Philosoph Olaf Stapledon die gesamte Menschheitsgeschichte von der Gegenwart bis zum Sterben der letzten Galaxie ... Einer der außergewöhnlichsten, faszinierendsten und ambitioniertesten Romane aller Zeiten in hochwertiger Sammlerausstattung.
(Quelle: Piper)

In dem Buch beschreibt Olaf Stapledons den Aufstieg und den Zerfall von Rassen und Gesellschaftsstrukturen. Zudem analysiert er oft die psychologischen, religiösen und körperlichen Aspekte der handelnden Charaktere. Seine Ideen sind kreativ und gut durchdacht. Wenn man zusätzlich bedenkt, dass die Erstausgabe des Buches bereits 1930 erschienen ist, erklärt es einige seltsame Gedanken oder Entwicklungen, die er beschreibt, bzw. vorhersagt. 

Trotz der recht interessanten und außergewöhnlichen Ideen, die Olaf Stapledon in seinem Buch darstellt, war es anstrengend zu lesen. Oft sind die Beschreibungen des Autors recht detailliert (manchmal sogar zu ausführlich), an anderen Stellen kürzt er gekonnt durch „Dafür haben wir nicht genug Zeit.“ (Seite 203) ab. Dies passiert in dem Buch leider recht oft und so entsteht bei mir als Leserin das Gefühl, als ob der Autor sich nicht mehr damit auseinandersetzen wollte, keine Ideen mehr hatte oder sogar zu faul war. 

Die Schwierigkeit dieses Buches liegt nicht in seinem Inhalt, sondern in seiner Darstellung. Es liest sich wie eine Chronik, da in dem Buch der Verlauf und die Entwicklung der Menschheit in einem Zeitraum, der mehrere Milliarden Jahre umfasst, beschrieben wird. Dadurch gibt es keinen Protagonisten oder einen durchgehenden Handlungsstrang, an den man sich als Leser halten kann. Dieses Buch ist somit eher eine Auseinandersetzung mit den Menschen, der Gesellschaftsstrukturen, Religion und der Entwicklung der Umwelt. Ich möchte seinen interessanten und doch recht ungewöhnlichen (aber eher unrealistischen) Ideen trotzdem Anerkennung zollen. Man merkt dem Autor an, dass er Gefallen an den Entwürfen von Gesellschaften und zukünftigen Welten fand.

Wie wissenschaftlich korrekt das Buch ist, kann ich nicht gänzlich beurteilen. Einige Dinge sind mir allerdings als falsch aufgefallen, doch innerhalb seiner Weltkonstruktion sind sie sinnvoll, daher habe ich mich daran nicht gestört. Zudem sollte man bedenken, dass Olaf Stapledon dieses Buch bereits 1930 veröffentlicht hat und es zu dem Zeitpunkt einige wissenschaftliche Errungenschaften noch nicht gab und manche Fakten, die wir heute bereits wissen damals noch nicht bekannt waren. 

Ich hätte mir anstatt der außergewöhnlichen Detailtiefe des Buches lieber einen Protagonisten erhofft, wie der Autor ihn in einem Abschnitt sogar einsetzte, was dazu führte, dass dieser Abschnitt gleich viel lebendiger wirkte und flüssiger zu lesen war.

Aufmachung und Cover

Das gebundene Buch wird von einem semi-transparenten Schutzumschlag eingeschlagen. In den Klappen finden sich Olaf Stapledons Originalskizzen zu den Zeitachsen, die er im Buch verwendet. Rundum ist das Buch recht ansprechend gestaltet und hätte mich auch im Buchhandel angesprochen.


Leider muss ich dem Buch eine eher mittelmäßige Bewertung geben, denn ich habe mich leider zu stark zwingen müssen, das Buch überhaupt weiter zu lesen. Trotzdem spreche ich eine bedingte Empfehlung für dieses Buch aus – Die Weltkonstrukte, Gesellschaftsanalysen und zukünftige Technologie sind spannend und ungewöhnlich. Für das Buch sollte man allerdings ein gewisses Durchhaltevermögen mitbringen. Nichtsdestotrotz ist das Buch ein Klassiker und war wegweisend für das Science-Fiktion-Gerne. Viele seiner Ideen wurden später von anderen Autoren aufgegriffen und benutzt. 

Am besten liest sich das Buch wahrscheinlich in Abschnitten, anstatt es wie andere fiktive Werke oder konventionelle Unterhaltungsliteratur „in einem Rutsch“ zu lesen. Das Buch baut nämlich keinen richtigen Spannungsbogen auf und wirkt daher eher wie ein historischer Text, nur halt nicht der Vergangenheit sondern der Zukunft. 

Ein kurzer Vergleich: An eines von Isaac Asimovs Werken kommt dieses Buch nicht heran. Was die Beschreibungen und Konstrukte angeht, weisen die Werke von Asimov jedoch eine gewisse Ähnlichkeit zu diesem Buch auf. Wer also gefallen an komplexen Entwicklungen und Analysen von Gesellschaften hat, könnte in diesem Buch eine gute Lektüre finden. 


Ich bedanke mich beim Piper Verlag für das kostenfreie Exemplar. 
Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst. 

(Coverrechte liegen beim Verlag)

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