Sonntag, 8. Mai 2016

[Rezension] "Memory Wall" von Anthony Doerr

Erschienen bei C.H.Beck am 10.02.2016 | Übersetzt von  Werner Löcher-Lawrence
Gebunden / Ebook | 135 Seiten | ISBN: 978-3-406-68961-1 | 14,95 € | Kaufen

Alma Konacheck leidet an Demenz. Dennoch lebt sie in der Welt ihrer Erinnerungen. Die Südafrikanerin kann sie immer und immer wieder erleben, da diese auf kleinen Kassetten gespeichert sind. Während Almas eigene Erinnerungen zunehmend schwinden, erfahren wir als Leser mehr von ihrer Vergangenheit. Doch auch Roger, ein Krimineller, hat ein Interesse an Almas Erinnerungen – Sie bergen ein Geheimnis, das viel Geld wert ist.

Sprache

Die Novelle „Memory Wall“ ist kurz und beeindruckend. Der Autor transportiert viel über den Schreibstil und die von ihm gewählte Erzählweise. Der Leser bekommt scheinbar nicht zusammenhängende, kurze Abschnitte der Geschichte dargeboten: Almas Erinnerungen, ihr derzeitiges Leben und die Geschichte ihres Hausangestellten Pheko. Alles wirkt so bruchstückhaft und wage, wie es wohl auch den Demezerkrankten vorkommen mag. Die Geschichte ist sehr eindrucksvoll und beklemmend geschrieben, sodass siw unglaublich realistisch wirkt.

„Die Zettel an Almas Wand winken wie Blütenblätter, wie nach außen gestülpte Gedanken.“
– Seite 88

Cover

Als angehende Geowissenschaftlerin hat hauptsächlich das Cover mein Interesse an dem Buch geweckt, da darauf Fossilien abgebildet sind. Insgesamt finde ich das Cover sehr gelungen.

„Memory Wall“ ist eindrucksvoll geschrieben und vermittelt ein sehr authentisches Bild von dem, was im Kopf einer Demenzerkrankten vorgeht. Anthony Doerr erzählt aber in seinem kurzen Büchlein nicht nur über den Verfall der Erinnerungen, sondern verbindet ihn mit einer nahezu detektivischen Geschichte über das große Geheimnis der Protagonistin. Wie ich bereits erwähnt habe, waren es die Fossilien auf dem Cover die mich neugierig gemacht haben. Auch der inhaltliche Schwerpunkt auf die Paläontologie hat mich sehr interessiert. Ich denke aber, dass das Buch auch ohne ein Interesse an der Paläontologie überzeugen kann, da es äußerst faszinierend und ungewöhnlich ist, weil es sich nicht nur auf die Krankheit fixiert, sondern auch noch eine andere, sehr spannende Geschichte einbindet. Dass Anthony Doerr das alles auf nur wenigen Seiten schafft, ist sehr beeindruckend und erstaunlich.

Ich kann die Novelle weiterempfehlen. Es ist eine etwas andere Demenzgeschichte, die gerade durch diese ergänzende Handlung überzeugt. Natürlich sollte man beachten, dass die Krankheit kein einfaches Thema ist und oftmals eine beklemmende Stimmung beim Lesen aufkommt.
„Memory Wall“ hat mir mehr geboten als ich erwartet habe und bekommt von mir 4 Sterne.


(Das Foto wurde von mir gemacht und darf ohne
 meine Einverständnis nicht benutzt werden)

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