Sonntag, 19. Juni 2016

[Interview] Jürgen Schaefer erzählt über Kuba


5 Fragen an... Jürgen Schaefer


Vor einiger Zeit habe ich das Buch "Gebrauchsanweisung für Kuba" gelesen und war sehr angetan davon. In diesem Buch erzählt Jürgen Schaefer, der auf Kuba gelebt und gearbeitet hat und deshalb einige Erfahrungen sammeln konnte, über das Land, die Leute und über die Geschichte der ganz besonderen Insel in der Karibik. Meine Rezension zum Buch könnt ihr ►hier lesen.

Nachdem ich meine Rezension veröffentlicht hatte entstand ein netter Kontakt zu dem Autor und Jürgen hat sich bereit erklärt einige Fragen für meinen Blog zu beantworten.

Der Autor

Jürgen Schaefer, Jahrgang 1965, berichtet als Reporter seit 1998 über Kuba. Er hat vier Jahre in Havanna gelebt und war von 2001 bis 2004 permanent als Korrespondent auf Kuba akkreditiert. Seitdem reist er jedes Jahr auf die Insel. Er ist mit einer Kubanerin verheiratet. Seit 2005 arbeitet er als Redakteur beim Magazin GEO in Hamburg und hat dort unter anderem das »GEO Special Kuba« konzipiert und betreut.
(Quelle: Piper)

Die 5 Fragen


Was hat dich zum ersten Mal nach Kuba geführt?

Ein Fotograf rief mich an und sagte: Ich habe diese Geschichte über alte Männer in Kuba, die eine CD aufgenommen haben – sollen wir das nicht zusammen machen? Es war der Buena Vista Social Club, den damals noch niemand in Deutschland kannte. Die Musiker lebten alle sehr bescheiden und waren unglaublich freundlich und offen. Tolles Thema, wir sind einen Monat lang durchs Land gereist und haben überall Live-Musik gehört. 

Was war das Seltsamste, was dir dort passiert ist?

Kuba steckt voller Absurditäten, die einen entweder in den Wahnsinn treiben oder eine ewige Quelle der Heiterkeit sein können, je nach Gemütslage. Ungefähr so: Du brauchst eine Kopie für einen offiziellen Antrag, es ist eilig und wichtig, und du gehst zum Copy-Shop, doch der Kopierer ist kaputt. Sie haben den Techniker angerufen, aber sein Auto springt nicht an. OK, dann gehst du zwei Stunden später noch einmal hin, der Techniker ist da und trinkt Kaffee, weil ein Teil fehlt, das sie erst besorgen müssen. Du kommst zwei Stunden später wieder, das Teil ist da, aber der Laden ist dunkel: Stromausfall. Zwei Stunden später kommst du wieder, und sie sagen; die gute Nachricht ist, der Kopierer funktioniert wieder, die schlechte, es gibt kein Papier. So zieht sich das dann über Tage hin. Das Leben in Kuba ist eine Abfolge derartiger Kettenreaktionen. Das lehrt Gelassenheit.  

Wie ist es zu dem Buch "Gebrauchsanweisung für Kuba" gekommen? Hattest du das schon länger geplant?

Ich war vor 18 Jahren zum ersten Mal in Kuba, habe vier Jahre dort gelebt und fahre jedes Jahr hin. Ich habe das Land der Länge und Breite nach bereist, habe als Journalist viele Aspekte der kubanischen Realität recherchiert und aufgeschrieben. Da haben sich über die Jahre so viele Erlebnisse und Erkenntnisse angesammelt, dass es nahe lag, das in einem Buch zusammenzufassen. Die "Gebrauchsanweisung" ist eine wirklich schöne Reihe des Piper-Verlags; das gilt auch für die anderen Länderausgaben. Deswegen freut es mich sehr, dass mein Buch gerade dort erscheint.

In einer Amazon-Rezension habe ich gelesen, dass sich die Person mehr "Gebrauchsanweisungen" gewünscht hat. Könntest du 3 Tipps für die Reise ach Kuba geben?

1. Übe Gelassenheit. Vieles in Kuba funktioniert nicht so, wie wir das gewohnt sind. Wenn der Bus zusammenbricht: Genieß die Aussicht. Wenn das Hotel ausgebucht ist, obwohl du reserviert hast: Such dir ein Privatzimmer. Wenn es nur die Hälfte von dem gibt, was auf der Karte steht: Lass dir was empfehlen. Kubaner sind Weltmeister im Improvisieren, und für jedes Problem gibt es eine Lösung, auch wenn das dauert.

2. Sonnenuntergang am Malecón in Havanna. Wenn ich in Havanna bin, findest du mich zur blauen Stunde meistens am Malecón, wie Hunderte Habaneros, die dort frische Luft schnappen. Man kommt leicht ins Gespräch, kann dem Posaunisten zuhören, der dort übt, oder kann sich einfach auf die Mauer setzen, die Beine baumeln lassen und aufs Meer schauen. Auch nett: Die Terrasse des Hotel Nacionál am Nachmittag.

3. Das Hotel Los Jazmines in Viñales. Nicht das beste Hotel Kubas, aber die Aussicht auf die Mogotes finde ich immer noch herausragend schön.

Du hast bereits vor "Gebrauchsanweisung für Kuba" ein Sachbuch geschrieben. In "Lob des Irrtums" geht es darum, dass Fehler für unser Leben nicht grundsätzlich schlecht sind und es besser wäre, diese öfter zuzugeben. Warum hast du dich für dieses Thema entschieden?

Das Thema ist aus einer Titelgeschichte für die Zeitschrift GEO entstanden, für die ich als Redakteur arbeite. Bei der Recherche für das Thema war klar, dass sich da viel mehr erzählen lässt, als in einen Magazinbeitrag passt. Was mich am meisten daran fasziniert hat: Der Umgang mit Fehlern ist ein Schlüssel zu einem entspannten und fröhlichen Leben. Fehler sind eine wunderbare Tür ins Unbekannte, wenn wir neugierig mit ihnen umgehen.   

Ich bedanke mich ganz herzlich bei dir, Jürgen, für den netten Email-Kontakt und die Beantwortung meiner Fragen!

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