Sonntag, 21. August 2016

[Rezension] "Das Glück ist nicht immer gerecht" von Anne-Laure Bondoux

Erschienen bei dtv am 22.07.2016 | Übersetzt von Maja von Vogel
Taschenbuch | 240 Seiten | ISBN: 978-3-423-71690-1 | 9,95 € | Kaufen

Ein Monat in ihrem kleinen Ferienhäuschen in der Ardèche. Eigentlich könnte es für die Schwestern Mado und Patty ein toller Sommer warden. Doch seit ihre Eltern hier vor einem Dreivierteljahr ums Leben kamen, ist nichts mehr so, wie es war. Die Schwestern erleben ein Wechselbad der Gefühle. Da sind zum Beispiel die holländischen Brüder, in die Mado und Patty sich unsterblich verlieben und mit denen sie eine tolle Zeit verbringen. Doch Patty ist schwanger. Und der Sommer neigt sich dem Ende zu. Mado und Patty müssen sich der Realität stellen…
(Quelle: Klappentext; dtv)
Der Autorin ist mit diesem Buch eine sehr feinfühlige Geschichte gelungen. So schwer die Probleme der beiden Schwestern auch sind und wie tief verzweifelt sie zuweilen auch sind – durch den Schreibstil bekommt dies alles eine fast zärtliche Note.

Gerade Mado macht im Laufe der Geschichte vieles mit und da das Buch aus ihrer Sicht erzählt wird, baut sich eine starke Verbindung zwischen ihr und dem Leser auf. Mado ist für ihr Alter ausgesprochen reif und bedacht. Sie übernimmt bei Pattys „Problem“ kurzerhand das Ruder und tut alles, um ihr Leben und das ihrer Schwester wieder ins Lot zu bringen. Sie wächst dabei über sich hinaus und bewältigt Probleme, die eine Jugendliche in ihrem Alter eigentlich noch nicht haben sollte. Ihr Zwiespalt zwischen Verantwortung und Kindsein kommt gut in diesem Buch zur Geltung und zeigt, dass sie niemand ist, dem alles auf wundersame Weise zufliegt, sondern dass es Überwindung kostet und sie dafür einiges einstecken muss. Klar, manche Dinge sind dann doch vielleicht etwas zu überspitzt und ich glaube kaum, dass eine 15-Jährige in unserer Gesellschaft diese Probleme so „einfach“ bewältigt hätte. Das kann ich aber verzeihen und interpretiere dies als schriftstellerische Freiheit– Es passt nämlich in Mados Entwicklung und wird gut erklärt, anders als bei Patty.

Des Weiteren könnte man kritisieren, dass das Verhalten der Schwestern unrealistisch ist und dass so eine Geschichte nie wirklich passieren könnte, doch ich glaube, dass es (leider) solche Fälle tatsächlich gibt. Pattys Verhalten und viele ihrer Entscheidungen finde ich mehr als fragwürdig. Leider passt ihre „Entwicklung“, die sich aber erst auf den letzten Seiten abspielt, nicht wirklich ins Bild. Natürlich hatte ich während des Lesens auf diese Entwicklung gehofft, doch sie kam erst am Ende und irgendwie auch zu schnell. Das ist tatsächlich der größte Kritikpunkt, den ich an diesem Buch habe, da es so unrealistisch wirkt. Es passt nicht wirklich zu der Protagonistin und wirkt irgendwie „zusammengeschustert“.

Ich denke, man kann an diesem Buch sehr gut das unterschiedliche Verhalten von Jugendlichen und auch deren Umgang mit Problemen erkennen. Das Buch lädt zur Auseinandersetzung mit dem Inhalt ein, weshalb es wohl auch an deutschen Schulen als Lektüre im Französischunterricht benutzt wird (Ob es tatsächlich so ist, weiß ich nicht, aber zumindest gibt es eine Lehrbuchfassung zu diesem Buch, die für den Französischunterricht auf dem Niveau B2 ausgelegt ist).

Cover

Ich finde das Cover sehr hübsch. Es ist etwas ungewohnt, dass das Foto nicht den Hauptbestandteil des Covers bildet. Doch ich finde es schön, wie Text und Bild zu gleichen Teilen den Platz einnehmen. Das Cover spiegelt den Inhalt des Buches gut wieder. Es ist schlicht, leicht, aber auch irgendwie melancholisch. 
Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen. Es zeichnet ein zerbrechliches und einfühlsames Bild über ungewöhnliche Lebensumstände zweier Schwestern. Es konnte mich berühren und am Ende habe ich das Buch mit einem fast schon traurigen Seufzer geschlossen.
Mein einziger großer Kritikpunkt bleibt die seltsam schnelle, wenig ausgearbeitete Entwicklung Pattys am Ende.

Das Buch eignet sich bestimmt gut, um über Problembewältigung von Jugendlichen zu diskutieren und auch wichtige Themen für Teenager anzusprechen. Das Buch ist sehr schlicht und doch ergreifend geschrieben, sodass man sich gut in die Situation einfühlen kann.

Ich kann das Buch empfehlen, doch man sollte hier keineswegs mit einer romantischen Liebesgeschichte oder Ähnlichem rechnen, sondern viel eher mit einer Geschichte, die den Fokus auf Erwachsenwerden und Verantwortung legt.

Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar. 
Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst. 

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