Samstag, 27. August 2016

[Rezension] "Das Licht der letzten Tage" von Emily St. John Mandel

Erschienen bei Piper am 14.09.2015 | Übersetzt von Wibke Kuhn
Paperback + eBook | 416 Seiten | ISBN: 978-3-492-06022-6 | 14,99 € | Kaufen


Niemand konnte ahnen, wie zerbrechlich unsere Welt ist. Ein Wimpernschlag, und sie ging unter. Doch selbst jetzt, während das Licht der letzten Tage langsam schwindet, geben die Überlebenden nicht auf. Sie haben nicht vergessen, wie wunderschön die Welt war. Sie vermissen all das, was einst so wundervoll und selbstverständlich war, und sie weigern sich zu akzeptieren, dass alles für immer verloren sein soll. Auf ihrem Weg werden sie von Hoffnung geleitet – und Zuversicht. Denn selbst das schwächste Licht erhellt die Dunkelheit. Immer.
(Quelle: Piper) 
Trotz der vielen begeisterten Stimmen bin ich mit keinen allzu großen Erwartungen, aber mit großer Neugier an das Buch herangegangen.

„Das Licht der letzten Tage“ erzählt die Geschichte aus mehreren Perspektiven und auch aus verschiedenen Zeitabschnitten. Der Klappentext lässt vermuten, dass es sich alles schon in der Post-Apokalypse abspielt, doch tatsächlich gibt es drei große Zeitabschnitte, die beschrieben werden: Die Vergangenheit, der Wendepunkt der Zivilisation (die Pandemie) und 20 Jahre in der Zukunft. Dabei wird jede Zeit für sich zwar chronologisch erzählt, aber es gibt immer wieder Sprünge in die anderen Handlungsstränge.

Es gibt mehrere Erzähler in der Geschichte, die verschiedenen Altersgruppen angehören und eine Verbindung zu einander haben. Diese Verbindung ist aber nur leicht und als Leserin habe ich mich nicht dazu gezwungen gefühlt, diese Verbindung unbedingt finden und verstehen zu wollen. Während des Lesens kam mir in diesem Zusammenhang immer wieder der Film „Cloud Atlas“ in den Sinn. Dort wird einem, ganz nach dem Motto „Alles ist verbunden“, die vermeintliche Verbindung der Charaktere geradewegs aufgebunden, obwohl diese gar nicht so stark ausgeprägt ist. In „Das Licht der letzten Tage“ ist dieses Stilmittel etwas eleganter ausgearbeitet: Es gibt Berührungen der einzelnen Handlungsstränge, aber diese sind eher nebensächlich.

Das Buch fängt interessant an, ist aber auf seltsame Weise ruhig und bedacht, obwohl wichtige Ereignisse mit gravierenden Folgen eintreten. Diese Besonnenheit war das Erste, was mir sofort auffiel und wird hauptsächlich durch die Sprache der Autorin transportiert, die schlicht, aber poetisch ist. Schnell war mir also klar: Dieses Buch ist etwas Besonderes!

Cover

Das Cover ist eine wahre Schönheit. Es passt perfekt zum Inhalt und legt den Fokus auf das Zärtliche und das Bedachte. Die Schrift ist schlicht und passend. Leider wurde diese für die Taschenbuchausgabe, die im Februar 2017 erscheint, verändert und die neue Schrift sagt mir leider überhaupt nicht zu, da sie meiner Meinung nach die Wirkung des Covers total verändert. (*Hier* könnt ihr das neue Cover sehen) 
Nach dem Lesen kann ich nun mit voller Überzeugung sagen: Ja, mich konnte dieses Buch auch begeistern!
Diese Begeisterung tauchte aber nicht sofort auf, sondern schlich sich langsam im Laufe der Geschichte ein. Das Faszinierende war, dass die Handlung ohne große Action auskommt und auch keine großen Spannungen aufbaut, mich aber trotzdem total fesseln konnte.

„Das Licht der letzten Tage“ ist ein Endzeitroman, wie ich ihn noch nicht gelesen habe. Der Fokus liegt nicht auf der Apokalypse oder dem (actionreichen) Überlebenskampf, sondern auf den Menschen und dem, was die Menschlichkeit ausmacht. Fast schon melancholisch, beschreibt „Das Licht der letzten Tage“ die Zerbrechlichkeit und auch die Zärtlichkeit des Lebens in einer Zeit, in der es am wichtigsten ist.

Ich kann dieses Buch wirklich jedem nahelegen! Lest es und bildet euch selbst ein Urteil!
Coverrechte liegen beim Verlag. 

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