Samstag, 8. Oktober 2016

[Rezension] "Irllichtfeuer" von Julia Lange

Erschienen bei Knaur am 1.9.2016 | Taschenbuch | 529 Seiten
ISBN: 978-3-426-51943-1 | 9,99 € | Kaufen

Die junge Alba träumt vom Fliegen und arbeitet heimlich an mechanischen Schwingen. Doch dazu benötigt sie das Irrlicht-Gas, ein wertvolles, hoch entzündliches Handelsgut, auf das die Herrschenden des Stadtstaats Ijsstedt ein Monopol haben. 
Alba ist nicht die Einzige, die versucht, illegal an das Gas zu gelangen: Große Teile der Bevölkerung Ijsstedts leben in bitterer Armut und werden von Banden regiert, die immer wieder Überfälle auf die Irrlicht-Transporte unternehmen. 
Denn neben seinem Wert als Brennstoff kann das Irrlicht einem Menschen magische Fähigkeiten verleihen – wenn man die Vergiftung überlebt. Albas Traum vom Fliegen katapultiert sie schließlich mitten hinein in einen Volks-Aufstand um Macht und Magie und stellt sie vor die Frage, welchen Preis sie zu zahlen bereit ist, um ihr Ziel zu erreichen.
(Quelle: Knaur)
Ijsstedt, die Stadt, in der die Handlung spielt, erinnert mich von den Beschreibungen her an eine alte, fast märchenhafte skandinavische Stadt. Die Geschichte spielt im Winter, sodass auch das im Buch vorkommende Schneetreiben diesen Eindruck verstärkt. Hinzu kommt, dass ich beim Lesen das Irrlichtfeuer mit seinen magischen blauen Flammen bildhaft vor Augen hatte. Die Stimmung war für mich ähnlich wie bei dem Märchen „Die Eiskönigin“ von Hans Christian Andersen. Die Bildhaftigkeit ist ein großes Plus dieses Buches. Nach nur wenigen Seiten konnte ich mir die Stadt und ihre Bewohner hervorragend vorstellen und mich vollkommen in die Geschichte fallen lassen.

Die Kapitel umfassen jeweils mehrere Perspektivenwechsel. Außer durch einen Absatz sind diese Wechsel nicht weiter optisch getrennt, sodass es für mich nicht immer sofort ersichtlich war, dass solch ein Wechsel stattgefunden hat. Gerade, wenn der Wechsel von einer Seite auf die Nächste war, sorgte es bei mir für leichte Verwirrung, bis ich mir des Wechsels bewusst war.

Außerdem kommen noch Zeitsprünge hinzu, die ebenfalls nicht sehr gut erkennbar waren. So war mir nicht immer klar, wie viel Zeit vergangen war und von welchen Zeiträumen die Rede war.

Sprache

Leider rissen mich falsch gewählte Worte an einigen Stellen oft genug aus der tollen Stimmung. Zum Beispiel gibt es in der Geschichte sowohl Ober- als auch Unterschicht und damit gehen für mich auch bestimmte Verhaltensweisen und eine angemessene Sprache einher. Dennoch fand ich eine Stelle, in der die Tochter eines angesehenen Mannes „etwas ankotzte“. So etwas ist für mich ein Bruch des Stils, der durch die Umstände vorgegeben wird. Ein weiteres Beispiel ist eine Äußerung, die eine Frau der Unterschicht von sich gab: So erzählte sie, dass jmd. „labert“. Zwar mag dies zur Unterschicht passen, doch für mich ist es kein Ausdruck, der in ein Buch gehört – in unserem alltäglichen, legeren Sprachgebrauch mag das Wort bereits einen festen Platz haben, in der Literatur hat es aber meiner Meinung nach nichts zu suchen (Besonders dann nicht, wenn es eine eine Welt darstellt, die unserer Welt vor der Industrialisierung ähnlich ist). 
Alles in allem ist „Irrlichtfeuer“ eine schöne und ungewöhnliche Geschichte, die aber etwas mehr Überarbeitung benötigt hätte. Die Handlung, die Welt und die Protagonisten sind spannend ausgearbeitet und bergen ein großes Potential. Meine Kritik bezieht sich eher auf den Ausdruck und die Form. Da es jedoch Julia Langes Debütroman ist, denke ich, dass sie sich in der Richtung bestimmt weiterentwickeln wird und in Zukunft hoffentlich ein rundum schön geschliffenes Werk vorlegen wird.

„Irrlichtfeuer“ ist gerade für die kalte Jahreszeit eine wunderbare Lektüre, da es in der Geschichte winterlich ist und ein mysteriöses, magisches Irrlichtfeuer für Spannung sorgt.
Das Buch ist zudem ein Einzelband, was ich ebenfalls als einen Vorteil erachte, da es heutzutage schon genug Reihen gibt. Es ist schön, auch mal eine in einem Band abgeschlossene Geschichte lesen zu können. Greift ruhig zu diesem Buch, denn so könnt ihr eine magisch-winterliche Geschichte lesen, allerdings Ihr solltet euch über die kleineren Fehler in der Form im Klaren sein.


Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar. 
Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst. 

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