Dienstag, 29. November 2016

[Rezension] "Mr. Sapien träumt vom Menschsein" von Ariel S. Winter

Erschienen bei Knaur am 2.11.2016 | Übersetzt von Oliver Plaschka
Klappenbroschur | 240 Seiten | ISBN: 978-3-426-51932-5 | 14,99 € | Kaufen


Ariel S. Winters Science-Fiction-Roman "Mr. Sapien träumt vom Menschsein" ist eine nachdenklich machende Zukunftsvision in der Erzähltradition von Isaac Asimov und Philip K. Dick

Mr. Sapien, der Held von Ariel S. Winters Science-Fiction-Roman, ist ein Roboter – lebensmüde und völlig aus der Mode gekommen, weil noch von Menschen gemacht –, der sich gezwungen sieht, aus der Stadt zu fliehen, weil ihm die Abschaltung droht. Als ausgewiesener Menschenliebhaber war der Android dort zudem immer mehr der sozialen Ausgrenzung ausgesetzt gewesen. Nun zieht er sich an die einsame englische Küste zurück, um in einem angemieteten Strandhaus auf dringend benötigte Ersatzteile zu warten. Sein halbherziger Suizidversuch hat ihn etwas beschädigt zurückgelassen. Dabei hängt er doch eigentlich so sehr am Leben. Da wird er auf seine einzigen Nachbarn in der Umgebung aufmerksam, eine rätselhafte Patchwork-Androidenfamilie, die ›Asimovs‹, die ein Geheimnis zu verbergen scheint: Unter ihnen soll einer der letzten Menschen leben … Hat er die Antworten, nach denen Mr. Sapien sucht? Oder ist es die Familientragödie der Asimovs, die ihm mehr über das Menschsein verrät, als es ein Mensch je könnte?
(Quelle: Knaur)
Obwohl das Buch recht kurz ist, erzählt es eine lange, tiefgehende Familiengeschichte.

Die Botschaft und die Denkanstöße, die der Autor dem Leser hier aufzeigt, sind gut gewählt und zeigen die Zerbrechlichkeit der Menschen. Mit Robotern die Menschlichkeit verdeutlichen? Das klingt zunächst etwas absurd, doch Ariel S. Winter schafft es, den scheinbar „kalten“ Robotern mehr Menschlichkeit zu geben, als man zunächst erwarten würde. Durch die Distanz, die entsteht, weil das Buch aus der Sicht eines Roboters geschrieben ist, bekommt der Leser einen umfassenderen Blick auf das menschliche Verhalten und seine Fehler. Denn auch die Roboter-Protagonisten können diesem Verhalten nicht entfliehen.

Das Buch baut seine Spannung nach und nach auf und endet ziemlich enttäuschend. Der Autor hätte so viel dramatischer, so viel tiefer und auch aussagekräftiger sein können, doch leider vertut er diese Chance. Man erkennt die Moral der Geschichte und auch, was Ariel S. Winter damit sagen will, doch das Ende verläuft sich in Nichtigkeiten, obwohl es hätte so viel größer sein können.

„In der Erzähltradition von Isaac Asimov“ verspricht der Klappentext – und doch wird das Buch dem nicht ganz gerecht. Nur weil einer der Roboter nach dem Meister der Science-Fiction benannt ist, ist der Vergleich nicht berechtigt. Zugegeben, ähnlich wie Asimov greift Ariel S. Winter auf immerwährende Probleme unserer Gesellschaft zurück und versetzt sie in einen futuristischen Kontext, doch ihm fehlt die präzise und zielgerichtete Art Asimovs. Die Geschichte, die Ariel S. Winter hier auf 240 Seiten erzählt, hätte Asimov in rund 50 Seiten auf den Punkt gebracht. Doch das ist kein wirklicher Kritikpunkt am Buch, da mir die Art der Erzählung gut gefallen hat, sondern eher für den Stempel, den das Buch bekommt, damit es sich besser verkauft.
Trotz der Enttäuschung am Ende des Buches, bereue ich nicht, es gelesen zu haben. Die philosophischen Diskussionen über das Menschsein sind interessant und lehrreich zu lesen. Anhand nicht-menschlicher Roboter zeichnet der Autor ein äußerst reales und ehrliches Bild über das Menschsein.

Schade, dass das Ende nicht fulminanter und bedeutungsvoller ausgefallen ist – dann wäre es für mich ein Fünf-Sterne-Buch gewesen. So aber bleibt es ein eher durchschnittliches Buch mit einem guten Ansatz und einer schönen Sprache, die für mich aber nur 3.5 Sterne wert ist.

Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar. 
Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst. 

1 Kommentar:

  1. Huhu :)

    Ich war ja gespannt, was du zu diesem Buch sagst, da mich der Klapptext nur so halb angesprochen hat. Deine Rezi sorgt jetzt aber nicht unbedingt dafür, dass ich das Buch kaufen möchte. Nicht nur, weil dir das Ende nicht gefällt, sondern weil du das Buch als sehr philosophisch bezeichnest und ich deswegen Angst hab, dass es mir zu langweilig ist :D

    Liebe Grüße
    Lena

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