Dienstag, 7. November 2017

[Rezension] "Legenden und Lügner" von Julia Knight

Erschienen bei Knaur am 28.6.2017 | Übersetzt von Juliane Pahnke
eBook/TB | 400 Seiten | ISBN:  978-3-426-44070-4 | 9,99 € 

"Die Gilde der Duellanten" | 1. Schwerter und Schwindler | 2. Legenden und Lügner  | 3. Fechter und Feiglinge


Die Geschwister Vocho und Kacha stehen in dem Ruf, die besten Schwertkämpfer von Reyes zu sein. Doch seit sie die Pläne des dunklen Magiers Sabates vereitelt haben, scheint es so, als sei ihnen die ganze Welt auf den Fersen - und es ist mehr als ungewiss, ob die Schnelligkeit ihrer Klingen diesmal ausreichen wird, um sie zu retten ...
(Quelle: Knaur)
Vom ersten Buch „Schwerter und Schwindler“ wurde ich überraschenderweise sehr gepackt und mir gefiel die am Steampunk inspirierte Welt und die interessante Stadt, die mit Hilfe eines Uhrwerks betrieben wird. Auch die Schwertkämpfe waren actionreich und bildhaft, sodass mir als Leserin nicht langweilig wurde.

„Legenden und Lügner“ konnte mich hingegen leider absolut nicht überzeugen. Am Ende des ersten Teils mussten die Protagonisten Kacha und Vocho aus der uhrwerkbetriebenen Stadt fliehen und somit wurde ein überzeugender und für mich interessanter Aspekt aus dem Buch genommen. Dies wäre noch zu verkraften gewesen, wäre die Handlung weiterhin spannend gewesen und hätte eine Entwicklung dieser und der Protagonisten stattgefunden. Zwar sind auch die neuen Schauplätze interessant und haben ihre Besonderheiten, doch diese können nicht ansatzweise mit denen aus dem ersten Teil mithalten. Hinzu nahm die Übersichtlichkeit des Buches für mich immer mehr ab; Oftmals gab es Orts- und Zeitwechsel, die nur in einem Nebensatz eingeführt wurden und meines Erachtens hätten deutlicher sein können. So kam es, dass ich einen großen Teil meiner Lesezeit versuchte, zu verstehen, wo und wann die geschilderte Handlung stattfindet. Auch die Protagonisten blieben eher farblos. Zwar gab es tatsächlich Entwicklungen in ihren Charakterzügen, doch diese waren vorhersehbar und sehr flach.

Ein Beispiel (frei nacherzählt):
Vocho denkt: „Früher konnte ich Kacha immer vertrauen, doch jetzt bin ich mir nicht mehr sicher. Ich habe das Gefühl, sie hat sich verändert und verheimlicht mir etwas.“ 
Kacha denkt: „Vocho hat sich seit dem Vorfall verändert. Früher konnte ich mich immer darauf verlassen, dass er meinen Rücken stärkt, doch nun bin ich mir nicht mehr so sicher.“
Leider ging mir dieses weinerliche Hin- und Her ziemlich schnell auf die Nerven. Das Problem aus meiner Sicht war, dass man die Gedanken beider im Buch lesen konnte und sich kein Misstrauen von Seiten des Lesers entwickeln konnte, weil dieser immer wusste, dass diese Vorwürfe schwachsinnig sind. Der Lesespaß litt entsprechend zunehmend darunter.

„Die Gilde der Duellanten“ hätte eine außergewöhnliche Reihe werden können, die Magie, Steampunk und klassische Fechtkämpfe verbindet. Zwar überzeugte mich der erste Teil, doch der Zweite enttäuschte mich dafür umso mehr. Die Geschichte hat Potential, das sich aber in farblosen Charakteren, platten Handlungsverläufen und undurchsichtigen Orts- und Zeitwechseln verliert.

Ich breche Reihen ungerne ab, doch diese Trilogie ist für mich hier beendet. Vielleicht verbessert sich ja einiges im dritten Teil, doch nachdem ich bereits nach 100 Seiten von „Legenden und Lügner“ der Geschichte überdrüssig war, lasse ich meine Finger von „Fechter und Feiglinge“.

Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar. 
Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst. 

Sonntag, 5. November 2017

[Rezension] "Die Unvergesslichen" von Val Emmich

Erschienen bei Knaur am 2.5.2017 | Übersetzt von Eva Bonné
Hardcover | 384 Seiten | ISBN: 978-3-426-28165-9 | 19,99 €


Die 10-jährige Joan fürchtet nichts so sehr, wie eines Tages in Vergessenheit zu geraten. Denn anders als sie selbst scheinen die Leute um sie herum ständig alles Mögliche zu vergessen: Joan ist einer von nur 30 Menschen auf der Welt mit einem fast perfekten Gedächtnis, die ihr gesamtes bisheriges Leben, wie ein Videoband im Kopf hat und jeden Moment und jedes Gespräch erinnern kann.

Als der Songwriter Gavin, ein Freund ihrer Eltern, Joan darum bittet, ihre Erinnerungen an seinen plötzlich verstorbenen Partner Sydney mit ihm zu teilen, wittert Joan ihre große Chance: Sie wird für Gavin das Videoband in ihrem Kopf zu jedem einzelnen Moment mit Sydney zurückspulen. Dafür wird er ihr helfen, einen unvergesslichen Song zu schreiben.
(Quelle: Droemer)
Joan, das kleine Mädchen mit dem erstaunlichen Gedächtnis, hat sich durch und durch der Musik verschrieben. Ihr Vater, der ein Tonstudio besitzt, hat diese Leidenschaft in ihr gefördert und diese tiefgreifende Verbindung spürt man während des Lesens. Die Leidenschaft zur Musik nimmt den zentralen Teil des Buches ein. Es ist nicht technisch oder komplex – es geht eher um die Gefühle und Emotionen, die hinter dem Songwriting stehen. Val Emmich, der selbst in der Musikbranche tätig ist, hat in diesen Passagen bestimmt auch seine eigenen Gefühle mit eingebracht, was dem Buch wohl unter Anderem seine Authentizität verleiht.

Insgesamt hat mir die Geschichte aus Joans Sicht ausgesprochen gut gefallen. Val Emmich schafft es, ihre kindliche Naivität und Unschuld perfekt mit dem reiferen Auftreten und ihren besonderen Fähigkeiten zu verbinden. Von der ersten Seite an war sie mir sympathisch und im Verlaufe des Buches habe ich mich auch von ihrem Optimismus und ihrer Hoffnung anstecken lassen.

An Gavin, den älteren Protagonisten, musste ich mich zunächst etwas gewöhnen, da er am Anfang einen so krassen Gegensatz zur so optimistischen und jungen Joan darstellt. Er steht mitten im Leben, als sich die schlimme Tragödie ereignet. Als er das erste Mal auf Joan, die Tochter seines Studienfreundes, trifft, wird etwas in Gang gesetzt, was ihm hilft, mit der Trauer zurecht zu kommen und sich selbst ein wenig mehr zu verstehen.

Es könnte natürlich die Frage aufkommen, ob es nicht etwas merkwürdig ist, wenn ein erwachsener Mann sich mit einem Kind anfreundet. Jedoch spielt dies in „Die Unvergesslichen“ absolut keine Rolle. Die freundschaftliche Beziehung zwischen Joan und Gavin ist in keiner Weise verwerflich. Es ist eine Freundschaft, die sich über Leidenschaft für die Musik, die Erinnerungen und eben auch Menschlichkeit definiert.

Cover

Der Schutzumschlag ist farbenfroh gestaltet und hat eine Aussparung in der Mitte. Nimmt man den Schutzumschlag ab, so sieht man eine Schallplatte auf deren Mitte der Titel geschrieben steht. Das Ganze wirkt als gelungener Eyecatcher und gefällt mir sehr gut.

Alles in allem ist „Die Unvergesslichen“ ein schönes und sehr lebensbejahendes Buch. Joan ist eine unglaublich lustige und besondere Protagonistin und ihre Freundschaft zu dem so viel älteren Gavin ist sehr feinfühlig beschrieben. Über die Leidenschaft zur Musik vereint finden beide ihren Weg und es macht als Leser viel Spaß, diesen Weg zu verfolgen. Ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen und lege es jedem nahe, der nach einer berührenden Geschichte mit Humor und Optimismus sucht. 
Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar. 
Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst. 

Donnerstag, 26. Oktober 2017

[Rezension] "Exodus Towers" von Jason M. Hough

Erschienen bei Knaur am 1.9.2017 | Übersetzt von Simone Heller
Taschenbuch | 672 Seiten | ISBN: 978-3-426-51954-7 | 12,99 €

"Die Letzten der Erde" | 1. Darwin City | 2. Exodus Towers | 3. The Plague Forge (bisher nur auf Englisch)


ACHTUNG! Diese Rezension enthält Spoiler zu „Darwin City“, dem ersten Teil der Reihe.

Die letzten Überlebenden der Erde schöpfen neue Hoffnung: In Brasilien wurde ein zweiter Weltraumaufzug entdeckt, dessen geheimnisvolle Alien-Technologie Schutz vor der verheerenden Seuche bietet, die die Welt entvölkert hat. Eine weitere Kolonie wird gegründet, doch die fruchtbare Gegend lockt auch eine marodierende Söldnertruppe an und weckt das Interesse der Sekte, die in Darwin City die Macht übernommen hat. Bald ist Skyler Luiken in mehr Kämpfe verwickelt, als er gewinnen kann – während gleichzeitig die Rückkehr jener Aliens naht, die die Menschheit entweder retten oder endgültig vernichten könnten.
(Quelle: Knaur)
Die Handlung von „Exodus Tower“ setzt einige Zeit nach den Ereignissen von „Darwin City“ ein. Die Kolonie in Belém findet sich langsam zurecht und Routine kehrt in den Alltag ein. Nachdem Skyler Darwin und auch Sam zurücklies, tut er sich schwer, da er der Meinung ist, die Kolonie halte sich an unnötigen Bürokratien auf.

Im Laufe des Buches teilen sich die Erzählperspektiven auf: Zum einen begleitet man Skyler auf seinen Streifzügen, zum anderen Tania, die den neuen Weltraumlift, leitet und verwaltet. Zu guter Letzt bleibt Sam für den Leser die Verbindung nach Darwin, das nun, da Neil Platz nicht mehr da ist, einige Machtspielchen ertragen muss.
Diese Aufteilung hat mir gut gefallen, da Skyler, Tania und Sam drei unterschiedliche Geschichten erzählen, die aber alle einen guten Einblick in die Welt, die Hierarchien und Prozesse im Inneren liefern. Ich hatte somit das Gefühl, dass mehr passiert, an dem man als Leser teilhat. Die Entwicklungen einer jeden Handlung sind dramatisch und packend.

Doch wie kann Jason M. Hough die Spannung über die Bücher hinweg konstant halten? Ein Trick, der zugegeben nicht neu ist: Das große Geheimnis um die Erbauer, die Alien-Rasse. Sie verfolgen einen Plan und niemand weiß, was als nächstes ansteht und was noch alles auf die letzten Überlebenden zukommt. Zwar mag es ein simpler Trick sein, doch er funktioniert und ich bin so gefesselt von der Geschichte, dass ich am liebsten direkt weiterlesen möchte!
Jason Hough kann erzählen! Seine Bücher bedienen sich an Film- und Videospielelementen und genau das macht die Bücher so greifbar und visuell. Ich brauche nur wenige Zeilen zu lesen, bevor mein Kopfkino einsetzt und ich die zerstörte Erde, die Weltraumlifte und die Alien-Schiffe vor mir sehe. „Exodus Towers“ macht Spaß!

Es gibt meinerseits nur eine klitzekleine Kritik an den Büchern: An manchen Stellen wirkt der Text etwas undurchdacht. Dies ist nur sehr, sehr selten anzutreffen und ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob es sich hierbei um „Fehler“ im Original handelt oder ob es an der Übersetzung liegt. Wenn aber in einer Welt, die das Jahr 2283 schreibt, von „pfenniggroßen“ Objekten die Rede ist, dann wundere ich, die das Buch im Jahr 2017 (fast 17 Jahre nach der Einführung des Euro) liest, mich doch etwas über die Wortwahl. 
„Exodus Tower“ ist eine sehr gelungene Fortsetzung zu „Darwin City“. Ich würde sogar sagen, dass er noch besser als sein Vorgänger ist. Die verschiedenen Perspektiven, die neuen Geheimnisse, die neuen Handlungen sind so vielversprechend und spannend, das es richtig Spaß macht, das Buch zu lesen!

Habt ihr also „Darwin City“ gelesen, dann könnt ihr ohne Scheu zu „Exodus Tower“ greifen. Das Buch ist definitiv sein Geld wert. Ich bin nun sehr gespannt auf den dritten Teil und hoffe, die deutsche Übersetzung lässt nicht lang auf sich warten! 

Samstag, 14. Oktober 2017

[Rezension] "Die Zeitmaschine" von H. G. Wells

Erschienen beim dtv am 13.1.2017 | Übersetzt von Lutz-W. Wolff
eBook/TB | 176 Seiten | ISBN: 978-3-423-43061-6 | 7,99/9,99 € | Kaufen


"Es widerspricht der Vernunft!" sagte Filby.
"Welcher Vernunft?" fragte der Zeitreisende.

Wer hat diesen Traum nicht schon geträumt: einmal durch die Zeit zu reisen? Für unseren Helden geht er in Erfüllung mithilfe einer eigens entwickelten Maschine. Angekommen im Jahr 802 701 entdeckt er zwischen den Ruinen Londons die Eloi, eine paradiesische Gemeinschaft. So also sieht das Schicksal der Menschheit aus! Als er, um von seinen Erkenntnissen zu berichten, in die Gegenwart zurückkehren will, ist die Zeitmaschine verschwunden. Und die Anzeichen häufen sich, dass die Eloi nicht die einzigen Bewohner dieser wundersamen Welt sind.
(Quelle: dtv)
Langsam, aber sicher versuche ich mich durch die Klassiker der Science Fiction zu lesen und da darf natürlich auch „Die Zeitmaschine“ nicht fehlen – das Buch, das Zeitreise-Geschichten geprägt hat.

Die Geschichte hat direkt von Anfang an etwas sehr Packendes, da der Erzähler des Buches selbst nur dem Zeitreisendem bei seinem Bericht zuhört. So entsteht eine weitere Spannung, da man die Ungeduld und die Überraschung des Erzählers selbst ebenso wahrnimmt. Zu Beginn wird die Handlung und die Reise minutiös beschrieben und der Autor nimmt sich Zeit, alles detailliert zu beschreiben. Seine Zukunftsvision sind dabei nicht nur originell und abenteuerlich, sondern er hinterlegt die Gesellschaft der Eloi auch mit menschlichen Zügen und erklärt, was genau in den vielen, vielen Jahren passiert ist.

Zum Ende hin nimmt die Geschichte immer mehr an Fahrt auf, wortwörtlich, und leider für mich ein wenig zu schnell. Es wirkt alles ein wenig fahrig, ein wenig zusammengeschustert, auch wenn Wells‘ Beschreibungen auch weiterhin spannend zu verfolgen sind. Das Ende kam mir zwar viel zu abrupt, doch es hat auch einen gewissen Charme.

Extras

Was mir außerordentlich gut gefallen hat, sind die vielen Extras, die im Anhang enthalten sind. Dort ist nicht nur ein biographischer Text von Wells selbst, in dem er über seinen Werdegang berichtet, sondern auch eine tabellarische Übersicht über seine wichtigsten Meilensteine. Außerdem ist auch eine Art Glossar vorhanden, welches bestimmte Wörter und geschichtliche Hintergründe seitenweise erklärt.

H.G. Wells bekannter Roman gehört meines Erachtens auf jeden Fall gerechtfertigt zu den Klassikern der Science Fiction und sollte auf jeden Fall gelesen werden. Trotz der Fahrigkeit am Ende, bietet das Buch Originalität, eine spannende Zeitreise und ist in vielerlei Hinsicht lesenswert.

Montag, 11. September 2017

[Rezension] "Der Schwarze Thron - Die Schwestern" von Kendra Blake

Erschienen bei penhaligon am 9.5.2017 | Übersetzt von Charlotte Lungstrass-Kapfer
Klappenbroschur | 448 Seiten | ISBN: 978-3-7645-3144-7 | 14,99 € | Kaufen

"Der schwarze Thron" | 1. Die Schwestern | 2. Die Königin (25.9.2017) 

Sie sind Schwestern. Sie sind Drillinge, die Töchter der Königin. Jede von ihnen hat das Recht auf den Thron des Inselreichs Fennbirn, aber nur eine wird ihn besteigen können. Mirabella, Katharine und Arsinoe wurden mit verschiedenen magischen Talenten geboren — doch nur, wer diese auch beherrscht, kann die anderen Schwestern besiegen und die Herrschaft antreten. Vorher aber müssen sie ein grausames Ritual bestehen. Es ist ein Kampf um Leben und Tod — er beginnt in der Nacht ihres sechzehnten Geburtstages …
(Quelle: penhaligon)
Natürlich ist das Thema des Wettkampfes um den Thron kein neues Konzept und momentan sind Bücher, die sich dessen bedienen keine Seltenheit. Doch der erste Teil der Reihe „Der schwarze Thron“ konnte mich überzeugen. Es ist nicht nur die düstere und außergewöhnliche Welt, deren Weiten zu entdecken sehr viel Spaß gemacht hat, sondern auch die drei Schwestern sind interessante Protagonistinnen, von denen jede einen ganz eigenen Charakter hat. Da das erste Kapitel mit der „Giftmischer“-Schwester beginnt, dachte ich auch zunächst, dass dies wohl die Favoritin des Lesers werden soll, doch Kendra Blake lässt die Perspektive jedes Kapitel wechseln, sodass man von allen drei Schwestern die hellen und dunklen Seiten kennenlernt. Zum Ende hin hatte mich die Autorin so weit, dass ich Sympathien zu jeder Protagonistin entwickelt habe und tatsächlich keine bestimmte Schwester als Favoritin herausstach.

Umso gespannter bin ich auf die Fortsetzung, die ganz bald erscheint.

Wer sich also an den Wettkampf-um-die-Krone-Plot noch nicht sattgelesen hat, sollte diesem Buch auf jeden Fall eine Chance geben. Zudem ist es düster, sarkastisch und die Schwestern alles andere als verwöhnte Königinnen – immerhin wurden sie seit der Kindheit zum Töten erzogen. 
Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar. 
Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst. 

Mittwoch, 6. September 2017

[Rezension] "Der Brief" von Carolin Hagebölling

Erschienen beim dtv am 1.9.2017 | Broschur/eBook | 224 Seiten 
ISBN: 978-3-423-26146-3 | 14,90/12,99 € | Kaufen

Als Marie eines Tages einen Brief von ihrer alten Schulfreundin Christine bekommt ist sie höchst verwirrt. Diese schreibt nämlich über Maries Leben in Paris und ihrem Mann Victor, einem erfolgreichen Galeristen. Doch Marie ist Journalistin, arbeitet in Hamburg und führt eine Beziehung mit Johanna. Was Marie zunächst als seltsamen Scherz abtut wird ganz bald äußerst seltsam und sehr persönlich. Sie beschließt herauszufinden, was es mit diesem Brief auf sich hat und wer hinter der Sache steckt...

Zu Beginn dachte ich, dass „Der Brief“ auf eine eher seichte, liebevolle Literatur hinausläuft. Letztendlich wurde mir ein spannender Roman geboten, der Thriller-Elemente aufweist und gekonnt auf philosophischer Ebene zum Nachdenken anregt.

Da der Roman sehr kurz ist, konnte ich ihn schon nach einem Tag beenden. Die Handlung konnte mich direkt packen und die mysteriösen Briefe ließen mir manchmal sogar einen kleinen Schauer über den Rücken laufen. Leider waren einige Passagen aber auch wirr, da die Gedankengänge und Handlungen Maries nicht ganz nachvollziehbar waren. Doch im Großen und Ganzen überwiegt am Ende die originelle Handlung.

Zwischenzeitlich hatte ich die Befürchtung, das Buch würde zu esoterisch oder zu abstrus werden, doch Carolin Hagebölling hat ein Ende geschrieben, das mich zufrieden stellen konnte und darüber hinaus sogar eine interessante philosophische Note hatte.

Trotz der ab und zu etwas wirren Stellen ist „Der Brief“ eine kurzweilige, aber einnehmende und vor allem lesenswerte Geschichte. Carolin Hagebölling beweist mit ihrem Debüt, dass sie nicht nur spannende Ideen hat, sondern diese auch gut umsetzen kann und macht Lust auf mehr.


Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar. 
Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst. 

Donnerstag, 31. August 2017

[Rezension + Buchgeplauder] Poes Entdecker und die Arbeit des Übersetzers


Heute ist der 150. Todestag des Franzosen Charles Baudelaire. 
Doch wer war Charles Baudelaire eigentlich? 

Er war Schriftsteller, Übersetzer und Herausgeber und wird als Wegbereiter der literarischen Moderne in Europa gesehen. Eines seiner eigenen Werke „Die Blumen des Bösen“ ist in den 90ern im dtv erschienen (*hier geht's zur Buchseite*).

Doch der Nachwelt ist er vor allem dafür bekannt, dass er die Werke des amerikanischen Autors Edgar Allan Poe ins Französische übersetzte und somit den Weg für den Ruhm Poes in Europa geebnet hat. Nun werden Poes Werke neu übersetzt und als fünfteilige Schmuckausgabe nach und nach veröffentlicht. Das Besondere daran ist, dass die Aufteilung der Geschichten den Ausgaben Baudelaires nachempfunden ist. 

Doch wieso sollte man Poes Werke neu übersetzen und wieso sollte man diese lesen? 


Übersetzt wurde die neue Ausgabe, die im März 2017 beim dtv erschienen ist, von Andreas Nohl, der bereits für seine Übersetzungen ausgezeichnet wurde. Ich hatte im Frühjahr die Möglichkeit, Andreas Nohl persönlich bei einer Lesung zu dem neu übersetzen Poe-Werk zu treffen. Dort hat er auch über Übersetzungen an sich geredet. Sein Ansatz war und ist, Poe möglichst naturgetreu ins Deutsche zu übertragen. Denn, so seine Worte, wirken einige alte Übersetzungen gezwungen altmodisch oder verstaubt. Dabei ist Poe erstaunlich schlicht. Eine Herausforderung für ihn war, diese Sprache so zu übersetzen, dass diese im Deutschen weder zu anspruchsvoll noch zu banal klingt. 
Meines Erachtens ist ihm dies ausgezeichnet gelungen. Die Stücke in „Unheimliche Geschichten“ lassen sich sehr flüssig lesen und übertragen trotzdem die vergangene Zeit authentisch. Andreas Nohl hatte bei der Lesung auch einige Vergleiche zum Original und zu anderen Übersetzungen dabei und ich kann bestätigen: Seine Übersetzung kommt am dichtesten an das Original heran. Als Poe-Neuling ist mir der Einstieg in seine Werke mit Andreas Nohls Übersetzung sehr gut gelungen und somit kann ich auch anderen, die Edgar Allan Poe noch nicht kennen, diese Ausgabe sehr empfehlen. Doch ich denke, dass auch Poe-Kenner diese Ausgabe schätzen werden, da sie einen frischen Wind in die Klassiker bringt.




"Unheimliche Geschichten" von Edgar Allan Poe
Erschienen beim dtv im März 2017
Übersetzt von Andreas Nohl
Hardcover mit transparentem Schutzumschlag | 424 Seiten 
ISBN: 978-3-423-28118-8 | 28,00 € | Kaufen

Mittwoch, 30. August 2017

[Rezension] "Der Sterbeschlamassel" von Anette Kannenberg

Erschienen bei CreateSpace im März 2016 | eBook/Taschenbuch| 310 Seiten
 ISBN: 978-1514262177 | 3,99/11,90 € | Kaufen

"Das Dododilemma" | 1. Das Mondmalheur | 2. Der Sterbeschlamassel  | 3. Das Dododilemma (noch nicht erschienen)

Knapp drei Monate nach dem Tod seines Vaters beschließt der junge Séamus, das Medizinstudium hinzuschmeißen, um Schriftsteller zu werden. Er zieht aufs Land in das verlassene Haus seiner Großeltern, wo er, abgeschnitten von der Außenwelt und mutterseelenallein mit sich und dem gespenstischen Charme der alten Villa, schnell Opfer seiner eigenen Fantasie wird. Doch schon bald sind es nicht mehr nur Hirngespinste, die ihn begeistert zu verfolgen scheinen.
(Quelle: Amazon)

„Der Sterbeschlamassel“ ist eine Fortsetzung, die ich schon seit einiger Zeit lesen wollte und endlich bin ich dazu gekommen. Vom Stil bleibt der zweite Teil ganz seinem Vorgänger treu: Voll mit quirligem und absurdem Humor. Wieder einmal nimmt auch die Wissenschaft einen nicht unwichtigen Teil des Geschehens ein, doch es bleibt alles gut verständlich und einfach. 

Diesmal begleitet der Leser Séamus, einen jungen Studenten, der gleichzeitig der Klon des bereits aus dem ersten Buch bekannten schrulligen Wissenschaftlers ist. Im Gegensatz zum ersten Buch, ist „Der Sterbeschlamassel“ kein Science-Fiction-Roman, sondern konzentriert sich eher auf das Genre des Grusels, Horrors und der Schauergeschichten. Doch wer bereits den ersten Teil gelesen hat weiß, dass man hier aber keinen klassischen Horror zu erwarten hat, sondern eine ironische Version, die sich selbst nicht ernst nimmt. Mit einem Augenzwinkern nimmt Anette Kannenberg die Klischees auf die Schippe. 
Wieder einmal konnte mich die Autorin mit ihrem ausgesprochen leichtem und sehr humorvollen Schreibstil überzeugen. Auch die Geschichte ist wieder sehr kreativ und bietet viele Facetten an. Tatsächlich ist „Der Sterbeschlamassel“ eine Fortsetzung, die keinerseits im Schatten des Mondmalheurs steht, sondern genauso ein herausragendes Werk ist. Ich bin sehr gespannt, was sich Anette Kannenberg für das dritte und letzte Buch „Das Dododilemma“ ausgedacht hat. Nun heißt es warten, bis endlich der dritte Band erscheint!

Ich kann die Bücher der Reihe wirklich nur wärmstens empfehlen. Sie sind skurril, lustig, kreativ und sehr liebevoll. Greift zu und lasst euch begeistern!


Ich bedanke mich bei Anette Kannenberg für das Rezensionsexemplar. 
Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst. 

Samstag, 19. August 2017

[Rezension] "Rebellion" von Michael J. Sullivan

Erschienen bei Knaur am 3.4.2017 | Übersetzt von Marcel Aubron-Bülles
Taschenbuch | 528 Seiten | ISBN: 978-3-426-52033-8 | 9,99 € | Kaufen

"The first Empire" | 1. Rebellion | 2. Zeitenfeuer (1.3.18)  | 3.-6. bisher nur auf englisch angekündigt


Was geschieht, wenn du herausfindest, dass die Götter sterblich sind?


Seit Anbeginn der Zeit leben die Menschen im Schatten der Fhrey, ewig junger Wesen, die sie als Götter verehren. Die glanzvollen Städte der Fhrey und ihre Magie bleiben den Menschen jedoch verschlossen, ihre Clans fristen ein erbärmliches Dasein.

Als der junge Raithe mit seinem Vater in einem verbotenen Waldstück jagen und von einem Fhrey angegriffen wird, tut er das Undenkbare: Er schlägt zurück -  und tötet das Wesen, das er für einen Gott gehalten hat. Raithe flieht, doch dem Ruf eines Mannes, der einen Gott getötet hat, kann er nicht entkommen...
(Quelle: Knaur)
Mit „Rebellion“ hat Michael J. Sullivan eine spannende Fantasy-Welt erschaffen, die mit verschiedenen Völkern und Ideologien besetzt ist. Der Weltenentwurf und auch die Menschen und die anderen Wesen, die in der Welt umherstreifen, haben mir äußerst gut gefallen.

Leider sind Vergleiche zu bereits bekannten und sehr berühmten Werken nicht von der Hand zu weisen. In den Rezensionen auf goodreads.com finden sich sehr häufig Vergleich zu „Das Lied von Eis und Feuer“ von George R.R. Martin. Da ich nur die Serie kenne, kann ich da kein tatsächliches Statement zu abgeben, doch mir fielen viel stärkere Vergleich zu einem anderen, noch älteren und noch berühmteren Werk auf: „Der Herr der Ringe“ von J.R.R. Tolkien.

Viele verschiedene Personen unterschiedlicher Rassen finden alle ihren Weg in den gleichen Ort. Alle aus eigenen Gründen und Absichten. Gerade die Mischung der Völker kommt einem äußerst bekannt vor. Auch, dass der Held der Geschichte gar kein Held sein will und seinen Platz als dieser nicht einnehmen will, erinnert an Aragon aus „Der Herr der Ringe“. Auch die Fhrey, die Elben Michael J. Sullivans, zeigen mehr als große Ähnlichkeit zu denen von Tolkien.

Die vielen Fremdinspirationen könnte man dem amerikanischen Autor, der seine ersten Werke zunächst im Eigenverlag veröffentlichte, zwar vorwerfen, doch ich muss zugeben, dass mir diese Ähnlichkeiten nichts ausgemacht haben. Besonders die Passagen, wo die Protagonisten auf ihrem Weg begleitet werden, erinnerten mich stark an „Die Gefährten“, wo die Hobbits aus dem Auenland fliehen. Die Stimmung hat mich ähnlich stark mitgenommen und in die Handlung eintauchen lassen.

Sprache

Der Schreibstil des Buches ist sehr angenehm und ich habe oft gar nicht gemerkt, wie die Seiten nur dahinflogen. Am Ende des Buches findet sich auch ein Glossar, das die wichtigsten Fremdwörter erklärt. Dieses musste ich recht oft zu Rate ziehen, da teilweise zu wenig Erklärungen im Text zu finden waren. Doch das Glossar ist sehr hilfreich, sodass es mich nicht stark beim Lesen behindert hat (wie ich auch zuvor schon angemerkt habe).

Quelle: goodreads.com

Cover

Das deutsche Cover gefällt mir ziemlich gut. Es ist sehr klassisch gehalten, so wie viele High-Fantasy-Romane in Deutschland eben aussehen. Auch das Buch an sich liegt gut in der Hand und hat eine angenehme Größe.
Als ich allerdings das englische Cover gesehen habe, habe ich mich schon gewundert, warum dieses nicht auch für die deutsche Ausgabe genutzt wurde. Ich finde es deutlich ansprechender, kreativer und auch passender zum Inhalt.


„Rebellion“ ist ein spannender Auftakt von Michael J. Sullivans „The First Empire“-Saga, die auf goodreads.com derzeit mit 6 Bücher insgesamt angegeben ist.

Leider sind starke Anlehnungen an Tolkien und andere große Autoren der Fantasy zu finden. Das hat auf die Spannung des Buches und die Atmosphäre der Welt keinen Einfluss, doch 5 Sterne kann ich diesem Buch aufgrund dieser starken Ähnlichkeiten nicht geben.

Doch trotz dieser Ähnlichkeiten hatte ich viel Spaß an dem Buch und kann es kaum erwarten, die Geschichte weiterzulesen. Wer sich nicht an Ähnlichkeiten zu anderen Werken stört, sollte unbedingt in dieses Buch reinlesen. Meiner Meinung nach lohnt es sich dies zu tun, da man mit einer abenteuerlichen Geschichte belohnt wird.


Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar. 
Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst. 

Mittwoch, 16. August 2017

[Rezension] "Das Mondmalheur" von Anette Kannenberg

Erschienen bei CreateSpace im Juli 2014 | Ebook/Taschenbuch | 460 Seiten 
ISBN: 978-1500176044 | 2,99/13,90 € | Kaufen

"Das Dododilemma" | 1. Das Mondmalheur | 2. Der Sterbeschlamassel  | 3. Das Dododilemma (noch nicht erschienen)


Das Leben von Cornelius Wichgreve, Gra­vi­ta­tions­ex­per­te und Er­fin­der der hoch­ge­ju­bel­ten Sky­le­vi­tys, wird kom­plett durch­ein­an­der­ge­wor­fen, als der welt­weit füh­ren­de Mi­ne­ral­öl­konzern CosmOre Industries ihm ei­nen Job auf dem Mond an­bie­tet. Zu­sam­men mit dem so­zio­pho­ben Bak­te­rio­lo­gen Murray und dem selbst­er­nann­ten Luna­lo­gen Vladimir soll er dort den Ab­bau des neu ent­deck­ten Super­ele­ment­es Tutto­farium ver­ein­fa­chen. Doch als Murray plötz­lich nach Peru ver­setzt wird und ein Prakti­kant des­sen Auf­ga­ben über­nimmt, pas­siert das Un­glaub­li­che, und Cornelius wird in eine Ver­schwö­rung hin­ein­ge­zo­gen, die in eine welt­um­span­nen­de Ka­ta­strophe mün­det ...
(Quelle: Amazon)
Dieses Buch ist etwas Besonderes, da "Das Mondmalheur" sich von den Büchern des Mainstream abhebt und tolle Unterhaltung bietet. In einer leicht skurrilen und verrückten Art wird hier die Geschichte des Mondmalheurs erzählt.
Die Handlung ist wirklich ungewöhnlich und mit viel Humor und Sarkasmus präsentiert. Die Dialoge sind toll geschrieben und die Charaktere hatte ich sofort bildlich vor Augen und ins Herz geschlossen.

Die erste Hälfte des Buches hat mich voll und ganz überzeugt. Für diesen Teil würde ich sofort eine 5-Sterne-Bewertung abgeben. Die Handlung ist spannend und hat unvorhergesehene Wendungen.
Bei der zweiten Hälfte hat mich allerdings zeitweise die Begeisterung verlassen. Es blieb zwar weiterhin spannend und interessant, doch ich hatte das Gefühl, dass irgendwie die Luft raus war. Manche Passagen kamen mir recht langatmig vor.
Weiterhin bleibt die Ereignisdichte ziemlich hoch, doch mich erinnerte es eher an eine Aufzählung. In dem Buch gibt es so einige Protagonisten und meines Erachtens waren es einfach zu viele.
Nichtsdestotrotz habe ich weiterhin an den Seiten geklebt, da ich wissen wollte wie es weitergeht.

Sprache

Anette Kannenberg verwendet gut gewählte Formulierungen und Ausdrücke. Was mir besonders gefallen hat, war die präzise Beschreibung von wissenschaftlichen Vorgängen, die sehr authentisch wirkten.
Ich mag den Schreibstil gerne, da er sich gut lesen lässt und mich sofort in die Szenen eintauchen lassen hat. Gerade die Dialoge sind meiner Meinung nach eine große Stärke dieses Buches. Sie kommen witzig und authentisch daher, sodass ich mehr als einmal loslachen musste.

Cover

Das Cover ist interessant und aufmerksamkeitserregend. Tatsächlich war es auch der Grund, warum ich mir dieses Buch überhaupt näher angeschaut habe. Der Dodo vor dem Sternenhimmel hatte direkt meine Neugier geweckt. Welches Buch hat schon einen Dodo auf dem Cover?
Es sei noch kurz angemerkt, dass es mich etwas enttäuscht hat, dass der Dodo nur sehr kurz im Buch vorkam. Das wurde durch das Cover und die Beschreibung anders suggeriert. Aber auch dazu hat Annette Kannenberg schon eine Antwort: In Band drei wird es für alle Dodofans eine große Schar Dodos geben.

Meine negative Kritik mag zwar sehr ausgeprägt klingen, doch letztendlich hatte ich eine schöne Zeit mit dem Buch und würde es auf jeden Fall weiterempfehlen. Für fünf Sterne reicht es nur bedingt: Ich vergebe 4,5 Sterne, doch wegen der unterhaltsamen und kreativen Geschichte runde ich diese auf.

Wer sich für skurrile Sci-Fi-Literatur mit großem Unterhaltungswert begeistern kann, ist mit dem Mondmalheur auf jeden Fall gut beraten. Man muss jedoch kein Science-Fiction-Fan sein, um dieses Buch zu genießen.
Ich finde das Buch sprachlich sehr gut, lediglich die Handlung könnte noch etwas ausgereifter und besser präsentiert werden. Da Anette Kannenberg schon angekündigt hat, dass es Band 2 und 3 geben wird, habe ich Hoffnung auf Verbesserung in der Hinsicht.

Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar. 
Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst. 

Sonntag, 13. August 2017

[Rezension] "Hexenherz" von Monika Loerchner

Erschienen beim Acabus Verlag im März 2017 | Taschenbuch | 440 Seiten 
ISBN: 9783862824564 | 15,00 € | Kaufen

Europa, 1466: Als die Hexenverfolgung immer weiter um sich greift, schreitet die bisher geheime Elite der Hexen ein und offenbart: Jede Frau ist der Magie fähig!

550 Jahre später wächst die junge Hexe und staatstreue Gardistin Helena in einer Gesellschaft heran, in der die Vorherrschaft der Frauen unumstößlich scheint. Sie träumt davon, weiter im Dienst der höchsten Hexe, der Goldenen Frau, aufzusteigen. Doch als sie Opfer einer Intrige wird und fliehen muss, gerät sie in die Fänge von Rebellen. Denn auch das stärkste Regime hat seine Fehler – und seine Feinde …
(Quelle: acabus Verlag)
Fangen wir bei den positiven Aspekten des Buches an. Zu einem ist dort die sehr einfallsreiche, alternative Welt, die Monika Loerchner für „Hexenherz“ entworfen hat. Es spielt, wie sie selbst sagte, „nicht irgendwo, sondern hier, mitten in Deutschland“. Die Entwicklung hat eine ganz andere genommen, als wir sie kennen, da die Frauen Magie erlangten. Die Welt selbst erinnert stark an das Mittelalter, jedoch mit ganz anderen Werten und Strukturen. Besonders interessant ist der historische Aspekt, den Monika Loerchner zu Beginn jedes Kapitels einführt, wo bekannte historische Persönlichkeiten und Ereignisse ihren Gastauftritt bekommen.

Auch Werte wie Freundlichkeit, Güte und Anstand haben in „Hexenherz – Eisiger Zorn“ einen hohen Stellenwert. Eine weitere Besonderheit, die das Buch lesenswert macht, ist der Aspekt, ein Buch zu lesen, in dem es um eine herrschende Klasse von Frauen geht, die jedoch nicht weniger fehlerhaft als eine männliche ist.

Die Handlung des Buches konnte mich weitestgehend ebenfalls überzeugen. Recht schnell wird die Protagonistin Helena, aus dessen Sicht das Buch geschrieben ist, vor Probleme gestellt und die Handlung nimmt an Fahrt auf. Sie durchläuft auch eine starke Charakterwandlung, die jedoch ziemlich vorhersehbar und eher flach ablief. Und damit wären wir schon bei meinem ersten Kritikpunkt: Viele Entwicklungen gehen zu schnell und sind zu oberflächlich. Wie schnell Loyalität und Vertrautheit entstanden, erschien mir nicht realistisch und ich hätte mir an dieser Stelle mehr Tiefe und Emotionen gewünscht.

Sprache

Mein größter Kritikpunkt ist der Schreibstil des Buches. Wie bereits erwähnt ist das ganze Buch aus der ersten Person und zusätzlich noch bis auf wenige Ausnahmen durchgängig im Präsens geschrieben. Ich persönlich finde eine Präsens-Erzählform schwierig - gerade auch, weil es in der Kombination mit der Ich-Perspektive speziell in diesem Buch zu einer sehr hektischen, abrupten und springenden Sprache führte. Hier hat es mir so einige Male den Einstieg in das Buch erschwert.

Trotz des sehr guten und neuen Weltenentwurfs, der moralischen Werte und der spannenden Handlung, kann ich dem Buch nicht mehr als 3,5 Sterne geben. Zu sehr hat mich der Erzählstil gestört und mir den Einstieg in die Geschichte erschwert.
Monika Loerchner besitzt Potenzial und Kreativität. Ich denke, dass sie gute Chancen hat, eine gute Autorin zu werden, doch mit „Hexenherz – Eisiger Zorn“ konnte sie mich nur eingeschränkt überzeugen. Eine Empfehlung dieses Buches ist meinerseits deshalb nur bedingt möglich.


Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar. 
Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst. 

Donnerstag, 10. August 2017

{Monatsrückblick} Eine Reise in den Norden


Hallo liebe Waldbesucher,

heute gibt es hier einen Monatsrückblick der etwas anderen Art. Die Idee ist aber nicht meine eigene, sondern von Anka von Ankas Geblubber (*Hier* seht ihr ihr erstes Video mit diesem Format). Da ich keine Videos drehe, werde ich die vorgegebenen 10 Fragen nicht alle beantworten, sondern etwas reduzieren.

Aber warum mache ich diesen Monatsrückblick ausgerechnet jetzt? Nun, ein Grund ist, dass es seit Jahresanfang keine Monatsrückblicke hier im Bücherwald bei TinyHedgehog gab. Ein anderer ist, dass ich im Juli zwei Wochen auf Reisen war und Ankas Monatsrückblick genau dies für die gelesenen Bücher thematisiert. "Warum also nicht beides verbinden?", habe ich mir gedacht.

Kurz möchte ich euch aber auch von meinen Reisen erzählen. Ich war nämlich zwei Wochen in Schottland. Dort hab ich aber nicht nur Urlaub gemacht, sondern war mit meinem Uni-Kurs dort auf Exkursion. Ich studiere Geowissenschaften und im Rahmen unseres Studiums muss ein geologischer Kartierkurs absolviert werden. Deshalb war ich 10 Tage lang im Norden Schottlands unterwegs und hab mir verschiedene Gesteine angeguckt ;) Wir hatten unglaublich gutes Wetter, was für Schottland schon recht ungewöhnlich ist und uns allen stets gute Laune bereitet hat. Natürlich war es auch anstrengend, aber der Ausblick auf die Landschaft dort belohnte einen für die Mühen. Es ist wunderschön dort und ich würde jederzeit gerne wieder dorthin reisen!
Nach diesen 10 Tagen Exkursion bin ich noch ein paar Tage in Edinburgh geblieben, um mir die Stadt anzugucken und einen Freund aus England zu treffen. Und auch die Stadt konnte mich verzaubern! Sie ist zwar nicht unbedingt sauber und restauriert, aber mit ihren kleinen Gassen und engen Häusern hat sie einen ganz eigenen gemütlichen Charme. Während meiner Zeit dort bin ich natürlich auch an den Orten vorbeigekommen, die die Harry Potter-Reihe inspiriert haben. Und tatsächlich fühlte es sich ein bisschen so an, als würde man durch die Winkelgasse laufen!

Doch kommen wir nun zu meinem Monatsrückblick:

Bevor ich mit der ersten Frage beginne, möchte ich euch gerne zum Mitraten auffordern, welche Bücher ich wohl gelesen habe. Die Hinweise für die Bücher sind in verschiedenen Farben dargestellt. Schreibt mir doch gerne in die Kommentare, ob ihr Bücher erkannt habt!

Wohin bin ich in meinen Büchern gereist?


Zunächst einmal bin ich auf eine abenteuerliche Reise nach Irland aufgebrochen. Dabei handelt es sich um ein zukünftiges Irland! Und ich habe sogar Zeit im Jenseits verbracht. Nach diesem etwas gruseligen, aber sehr unterhaltsamen Trip auf die Insel hat es mich nach London in England verschlagen. Das ist zwar nicht weit weg, aber es könnte unterschiedlicher nicht sein. Auch London zeigte sich mir von einer zukünftigen Seite mit einem sehr zweifelhaften Justizsystem. Doch bevor ich meinen Aufenthalt dort beendete, habe ich mir eine kurze Auszeit genommen. In dieser Auszeit habe ich mich dann in ein neues Abenteuer gestürzt und bin von England aus zunächst in die Vergangenheit und dann in eine weit, weit entfernte Zukunft gereist, wo sich seltsame Gestalten herumtrieben. Auch den Untergang der Erde habe ich so miterlebt. Nach dieser atemberaubenden Reise bin ich wieder nach London zurückgekehrt und habe die dortigen Ereignisse bis zum Schluss mitverfolgt. Ohne großen Zwischenstop ging es dann direkt weiter - diesmal in ein völlig fremdes Land mit dem Namen Fennbirn.

Wen habe ich auf meinen Reisen kennengelernt?


Bei meiner Reise in das zukünftige Irland habe ich einen Studenten getroffen, der aus der wuseligen Stadt raus auf's Land gezogen ist, um ein wenig den Kopf freizubekommen. Das besondere an ihm: er ist ein genetischer Klon eines sehr wichtigen Wissenschaftlers, der (in der Geschichte) die Zerstörung der Erde verhindert hat! Zusammen mit ihm habe ich auch ein etwas esoterisches Mädchen kennengelernt, dass einen Dodo als Haustier hat. Während die Ereignisse, bei denen ich sie begleitete, zwar recht schaurig und gruslig waren,  war es doch auch sehr unterhaltsam und lustig. Im Gegensatz dazu waren die Umstände, unter denen ich ein anderes junges Mädchen traf alles andere als lustig. Denn als ich sie kennenlernte, hatte sie nur noch 7 Tage zu leben, bevor sie höchstwahrscheinlich hingerichtet werden würde. Trotz ihrer Angst, hat sie mich mit ihrem Mut und ihrem Willen, etwas zu verändern, beeindruckt. Anschließend traf ich auf einen Mann, der nur Der Zeitreisende genannt wurde. Auch ihn traf ich in London, allerdings in der Vergangenheit. Und wie sein Name schon verrät, hat er mich auf eine wahnsinnig spannende Reise durch die Zeit mitgenommen. Dabei sind wir in die Zukunft gereist und haben sogar das Ende der Erde gesehen. Zu guter Letzt begegnete ich drei Mädchen, die gerade erst 16 geworden sind. Die drei Schwestern könnten aber unterschiedlicher nicht sein, da ihr Leben bisher nur daraus bestand, sie zu den Stärksten zu machen, da sie nach ihrem 16. Geburtstag zwei Morde begehen müssen. Mit diesem sehr außergewöhnlichen und vielfältigen Trio endete meine Reise durch den Juli. 

Wo hat es mir am meisten gefallen?


Diese Frage ist nicht gerade einfach zu beantworten, da es mir tatsächlich überall sehr gut gefallen hat. Doch müsste ich mich für ein Buch entscheiden, so würde ich die drei Schwestern wählen. Ihre Geschichte konnte mich vollkommen begeistern und da ihre Geschichte noch nicht zu Ende erzählt wurde, warte ich gespannt darauf, was sie wohl noch alles zu bewältigen haben. 


Auflösung


Hier nun die Auflösung zu meinen gelesenen Büchern. 




"Der Sterbeschlamassel" von Anette Kannenberg 
"Marthas Widerstand" von Kelly Drewery
"Die Zeitmaschine" von H.G. Wells
"Der Schwarze Thron - Die Schwestern" von Kendra Blake




Nun würde ich gerne noch von euch wissen, was ihr von dieser Art von Monatsrückblick haltet? Gerne würde ich nämlich auch in den nächsten Monaten versuchen, dieses Format beizubehalten, wobei es natürlich etwas kürzer ausfallen würde, da mein persönlicher Reisebericht ja dann wegfällt. 

Sonntag, 18. Juni 2017

[Gastrezension] "Dark Side" von Anthony O'Neill

Erschienen bei Knaur am 1.3.2017 | Übersetzt von Gerd Rottenecker
Klappenbroschur | 416 Seiten | ISBN: 978-3-426-51865-6 | 14,99 € | Kaufen

Diese Rezension wurde von Archer (auf Lovelybooks) geschrieben, 
die von mir das Buch im Austausch für eine Rezension erhalten hat.


Fletcher Brass ist der heimliche (unheimliche) König der dunklen Seite des Mondes. In dieser Region regiert die Gesetzlosigkeit, die Polizisten tun wenig mehr als wegzuschauen. Ausgerechnet dorthin kommt der aufrechte Cop Damien Justus, den die Bewohner dort Justice nennen. Er lernt schnell, dass kaum jemand die Wahrheit sagt, dass Brass sich nur an seine eigenen Regeln hält, welche unter anderem so nett klingen wie “Es ist gut, einen Rivalen zu haben. Noch besser ist es, ihm den Schädel einzuschlagen” und dass alle, die hier etwas zu sagen haben, versuchen, ihn an der Aufklärung von Morden zu hindern. Dabei sind nicht einmal die geringere Schwerkraft oder ein mordender Android das größte Problem. Doch Justus wäre nicht er, wenn er sich in irgendeiner Form aufhalten lassen würde.

O'Neill hat sich wirklich Mühe gegeben, so viel über Zukunftsvisionen zu recherchieren wie möglich. Zum großen Teil gelingt es ihm auch, das gut rüberzubringen, wobei mich persönlich seine Abschnitte, in denen er sich als Reisekaufmann betätigte und in diesem Ton einiges vom Mond beschrieb, eher genervt haben. Auch finde ich, hätte es nicht gebraucht, wirklich jeden einzelnen der meist kriminellen Opfer so ausgiebig zu beschreiben, besser wäre es gewesen, sich weiterhin auf die Dynamik zwischen Justus und den Rest des Mondes zu konzentrieren. Großartig fand ich jedoch, dass er es wirklich schaffte, mir Purgatory - die gesetzlose Stadt - nahezubringen und alles, was auf dem Mond mit der geringen Schwerkraft und den möglichen politischen und technischen Verwicklungen zu tun hat. Auch Justus ist ein interessanter Protagonist in seiner aufrechten, geradezu altmodischen Art, so dass ich eine Weile vermutete, er könne ebenfalls ein Android sein. Was mich allerdings wirklich (zynisch) amüsierte, war die Ähnlichkeit Fletcher Brass' mit all seinem Größenwahn, ja seinem Aussehen, seiner Art von Aussagen mit einem gewissen Herrn, der gerade sehr viel Macht in Amerika besitzt. Gegen ein Sequel hätte ich grundsätzlich nichts einzuwenden.
Wir bedanken uns beim Verlag für das Rezensionsexemplar. 
Die Meinung bleibt davon unbeeinflusst.